2. Die neueren Krisentheorien.
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Anschauung aus, daß gerade die Hausse das Anormale, die Depres
sion dagegen das Normale in der wirtschaftlichen Entwicklung sei.
Die Zeit der Stagnation in der Volkswirtschaft sei von wirtschaft
lichen Gesichtspunkten aus gar nicht so ungünstig zu beurteilen, sie sei
eigentlich der natürliche Zustand des modernen Wirtschaftslebens.
Die Hausse selbst zerfällt nach Spiethoff in vier Stadien:
„Der erste Einfluß der Hausse auf die Warenerzeugung besteht
darin, daß die vorhandenen Produktionsanlagen voll ausgenutzt
werden. Es folgt ein zweites Stadium, in dem neue Produktions
anlagen geschaffen werden. Dies ist diejenige Periode, in der es sich
um ein wirkliches Knappsein von Kapitalien handelt. Die Neuan
lagen verschlingen erhebliche Investierungen und bedingen einen
großen reproduktiven Konsum, ohne daß zunächst die Erzeugnisse des
erweiterten Reproduktionsprozeßes als Gegengewicht auftreten. Dies
geschieht in einem dritten Stadium, wo Neugründungen nicht nur als
Nachfrager, sondern auch als Anbieter erscheinen; es beginnt die
Zeit, in der die hohen Preise bereits gefährdet werden. Die letzte
Periode ist eine Umkehrung der zweiten, eine fieberhaft vermehrte
Produktion wirft ihre Erzeugnisse auf den Markt, ohne daß ihr ein
gleicher Verbrauch entspricht. Die Herleitung dieses Zustandes ist
das Entscheidende.“
Die Hausse und spätere Überproduktion kulminiert nicht in den
Produkten des elementaren, immittelbaren Verbrauchs, sondern in
denen der großen Industrien, die dem reproduktiven Konsum
dienen.“
Eine Grenze für diesen, während der Hausse gewaltig ange
stiegenen reproduktiven Konsum ist jedoch nicht nur durch die Be
dürfnisse gesetzt, sondern auch durch das zur Verfügung stehende
Kapital. Zunächst steht solches durch die in der Depression ange
sammelten Vorräte in erheblicherem Umfange zur Verfügung, aber
in dem Maße, wie dieses Kapital langsam in die Produktion ein
geht, muß dann immer wieder auf neugebildetes Kapital zurück
gegriffen werden. Der reproduktive Konsum wird zunächst ins
Stocken geraten „durch Erledigung besonderer neuer oder aufge
laufener alter Aufgaben, durch Aufbrauch des müßigen Kapitalvor
rates, durch Nichtanpassung der Preise und dadurch Nichtgewinnung
neuer Absatzkreise sowohl für den reproduktiven wie für den
unmittelbaren Konsum“. Es treten noch andere Faktoren hin
zu, welche diese Entwicklung verstärken helfen.
„Mit der extensiven Ausdehnung des Kreises von Einzel- und
Volkswirtschaften, die in steigenden intensiven Kontakt und arbeits
teilige Abhängigkeit voneinander treten, .werden immer zahlreichere