5. Kapitel.
Der Kommunismus.
Die Naturalwirtschaft ist insoweit Familienhaushalt, als Vorrat
und Bedarf der beteiligten Individuen einheitlich und zwar im
Naturalkalkül festgestellt werden und für die Güterbeschaffung,
-verteilung und -verwendung die „Festsetzung eines umfassenden
Wirtschaftsplanes und Schaffung einer alles regelnden wirtschaftlichen
Zentralstelle Voraussetzung ist“ (Neurath). Scheinbar ist
Naturalwirtschaft nichts weiter als bloß eben geldlose Wirtschaft,
ohne Rücksicht auf die sonstige Gestaltung der Wirtschaftsorganisation.
Die eingehende Würdigung ihrer Zwecke und
Möglichkeiten jedoch brachte schon die Einsicht, daß in Wahrheit
die Großnaturalwirtschaft notwendig auch Großfamilienwirtschaft
ist: durchorganisierte Gemeinwirtschaft, unvereinbar mit jeder
Konkurrenz der Sonderinteressen selbständiger Einzelwirte. Wir
sind auf diesem Wege an ein Ziel gelangt, das sich von vornherein,
ohne zunächst die Geldabschaffungsfrage zu berücksichtigen,
die Anhänger des Kommunismus gesteckt haben: jener Wirtschaftsordnung,
die man auch oberflächlich-schlagwortartig immer
durch ihren Gegensatz zu jeder Art von Konkurrenzwirtschaft
charakterisiert.
Gustav Cassel hat den Grundsatz des Kommunismus :dahin
formuliert: „Es läßt sich eine Gesellschaft denken, in der die Gesamtheit die
ganze Bedürfnisbefriedigung für alle Mitglieder der Gesellschaft autoritativ
reguliert; wo nicht nur die kollektive, sondern auch die individuelle Bedürfnisbefriedigung
von einer Zwangsorganisation übernommen wird; und wo also
kein Platz für die Ordnung des individuellen Verbrauchs durch Einzelwirtschaften
gelassen ist“ (Sozialökonomie, S. 60). Kropotkin sieht im Kommunismus
„eine zusammengefaßte Betrachtung von Konsumption, Produktion
und Tausch und eine Organisation, die dem Resultate dieser Betrachtung
entspricht‘ (Brot, S. 144).
Der Gedanke des Kommunismus findet sich — nach Voigts Zusammenstellung
— schon bei Plato (im „Staat“, etwa 370 v. Chr.), dann
ın der „Utopia‘“ von Thomas Morus (1516), der das Gold und Silber