II. Abschnitt:
Die Versuche teilweiser Ausschaltung des Geldes.
6. Kapitel.
Die Abschaffung der Geldrechnung.
Die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Abschaffung des
Geldes soll an der Hand der einzelnen Vorschläge untersucht
werden. Betrachten wir daraufhin den Plan des völligen Ersatzes
der kapitalistischen Geldwirtschaft durch eine kommunistische
Großnaturalwirtschaft — vom primitiven Tauschverkehr wird abgesehen
—, so treten zunächst die Schwierigkeiten der praktischen
Durchführung hervor, welche für die Beurteilung vom
Zweckmäßigkeitsstandpunkt aus erheblich sind. Sie ergeben sich
in erster Linie aus der Irrationalität und Verschiedenartigkeit der
Menschen, aus den Grenzen, die ihrer Uniformierung und Mechanisierung
gesetzt sind; sodann auch aus der Unberechenbarkeit
gewisser dem menschlichen Wollen entzogener Zufälligkeiten im
Naturgeschehen. Nun ist jedoch kein sicheres Urteil darüber zu
fällen, wie weit durch technische, pädagogische und politische
Fortschritte diese natürlichen Grenzen verschiebbar sind, und folglich
kann man hier eine Entscheidung über die wirtschaftspraktischen
Vorzüge oder Nachteile nur unter dem Vorbehalt treffen:
so, wie die Dinge jetzt liegen und mit soundsoviel Prozent Wahrscheinlichkeit
auch in Zukunft liegen werden. Der Wirtschaftsoraktiker
hat auch an einer solchen mehr oder minder vagen
„Lösung“ der Fragen Interesse; er muß irgendeine Entscheidung
fällen. Bei wissenschaftlicher Erörterung derartiger Fälle wird
man dagegen besser tun, die Zweckmäßigkeitsfrage selbst offen
zu lassen und lediglich den Praktiker auf die bestehenden Schwierigkeiten
hinzuweisen.
Nicht so steht es mit der anderen Frage; diese muß und kann
wissenschaftlich beantwortet werden. Erstens: es muß festgestellt