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X. Kapitel.
Wir sehen also, daß der Versuch, einen Nützlichkeits - oder Arbeits
maßstab aufzustellen, zu hohe Ansprüche stellt, um ausführbar zu sein 1 ).
Wir sollten uns damit zufrieden geben, in dem Maßstab aufgeschobener
Zahlungen das Maximum erreichbarer Vervollkommnung zu erzielen, ohne
daran zu denken, eine ideale Verteilung der „Segnungen des Fort
schrittes“ sicherzustellen.
Unser Problem wird auch vereinfacht, wenn wir im Auge behalten, daß
unser Ideal in erster Reihe nicht in der Beständigkeit, sondern vielmehr in
der Zuverlässigkeit des Dollars besteht. Schwankungen, die vorauszusehen
sind und auf die Rücksicht genommen werden kann, verursachen keinen
Schaden. Man kann wohl erwarten, daß jedermann das Risiko für die Ver
änderungen trägt, die in seinem eigenen Vermögen, in der Nützlichkeit und
Arbeit sowie vielleicht auch selbst in weitem Umfange infolge der allge
meineren Wirkungen der Erfindungen und des Fortschrittes eintreten können.
Auf jeden Fall sollte niemand erwarten, daß er durch die Beschaffenheit
der Geldeinheit gegen jeden Windstoß gesichert ist.
Die Art und Weise, in der jede Person derartige von ihr vorauszusehende
zukünftige Veränderungen berücksichtigt, besteht in der Anpassung der Höhe
von Anleihen, die sie gibt oder aufnimmt, und des Zinsfußes dieser Anleihen.
Wenn das Durchschnittseinkommen steigt, so kann der Entleiher eine größere
Rückzahlung erschwingen, und der Darleiher kann sodann mehr erhalten,
während bei einem Fallen des Durchschnittseinkommens der gezahlte Be
trag geringer sein sollte. Tatsache ist, daß dies die Tendenzen in Fällen
sind, in denen das Steigen oder Fallen des Durchschnittseinkommens voraus
zusehen ist. Wenn sich das Durchschnittseinkommen erhöht, so ist der
Darleiher weniger darauf bedacht, sein gegenwärtiges und verhältnismäßig
dürftiges Einkommen zu erschöpfen, um sein zukünftiges Einkommen zu
erhöhen, das er wahrscheinlich ohnehin zunehmen sieht. Eine zunehmende
Prosperität (unter der nicht eine große, sondern eine wachsende Prosperität
zu verstehen ist) hat also die Tendenz, das Angebot für Anleihen einzu
schränken. Gleichzeitig ist sie auf eine Erhöhung der Nachfrage gerichtet,
wodurch der Zins erhöht wird. Umgekehrt trägt ein abnehmendes Durch
schnittseinkommen zu einer Erniedrigung des Zinses bei * 2 ).
Alle die vorstehenden Tatsachen treten nur dann ein, wenn das Steigen
oder das Fallen des Einkommens vorausgesehen wird; wenn dies nicht der
*) Vgl. Charles A. Conant, The Principles of Money and Banking, Bd. II, Kap. VII.
2 ) Rate of Interest, S. 95—98 und 304—306. Diese Stellung wird von Correa Moylan
Walsh in The Fundamental Problem in Monetary Science genommen, New York (Macmillan),
1903, S. 345, Fußnote.