Full text : Die Kaufkraft des Geldes

Die  besten  Indexnummern  der  Kaufkraft.

181

Fall  ist,  können  sie  keinen  nennenswerten  Einfluß  auf  die  Zinsrate  ausüben.
Je  unerwarteter  sich  derartige  Veränderungen  einstellen,  nachdem  Anleihenkontrakte ­
  eingegangen  worden  sind,  ohne  Rücksicht  auf  diese  zu  nehmen,
desto  spekulativer  sind  die  Anleihekontrakte.  Wenn  die  Einkommen  fallen,
so  ist  der  Darleiher  im  Vorteil  im  Vergleich  zum  Entleiher,  weil  er  einen
höheren  Zins  erzielt,  als  er  erhalten  hätte,  wäre  die  Veränderung  vorauszusehen ­
  gewesen.  Die  Hauptlast  der  Veränderung  hat  dann  der  Entleiher
zu  tragen.  Wenn  dagegen  die  Einkommen  ein  unerwartetes  Steigen  erfahren, ­
  so  ist  die  Sachlage  gerade  umgekehrt;  der  ganze  Gewinn  geht  auf  den
Entleiher  über.  Die  normale  Wirkung  einer  fortgesetzten  Ausdehnung  des
Einkommens  besteht  in  einer  Erhöhung  des  Zinsfußes.
Bei  dem  vorliegenden  Problem  handelt  es  sich  jedoch  nicht  darum,  die
Interessen  der  Schuldner  und  Gläubiger  gegen  alle  möglichen  Elemente
der  Veränderung  zu  schützen,  sondern  nur  gegen  solche,  die  rein  monetärer
Natur  sind.  Industrielle  Veränderungen  bilden  eine  Klasse  für  sich,  und
es  muß  den  kontraktschließenden  Parteien  überlassen  bleiben,  ihr  Interesse
selbst  wahrzunehmen.  Uns  ist  nur  daran  gelegen,  ihnen  eine  stabile  oder
zuverlässige  Geldwährung  zu  verschaffen.  Eine  sichere  Geldwährung  kann
weder  eine  Bürgschaft  gegen  Erdbeben  bieten,  noch  die  gleichmäßige  Verteilung ­
  der  Prosperität  sichern.  Aber  sie  kann  die  durch  Veränderungen  in
der  Beziehung  des  Geldwertes  zu  anderen  Gütern  erlittenen  Verluste  abschwächen. ­

Die  Statistik  der  Nominal-  oder  Geldzinsraten  und  der  virtuellen
oder  Warenzinsraten  beweisen,  daß  die  letzteren  in  viel  höherem  Grade
Schwankungen  unterworfen  sind,  als  die  ersteren 1 ).  Dieses  Fehlen  eines
Ausgleichs  hat  nachteilige  Folgen.  Vor  allen  Dingen  steht  dieser  Tatbestand ­
  einer  normalen  Verteilung  des  Reichtums  und  des  Einkommens  ini
Wege.  Bei  steigendem  Preisniveau  erhält  der  Darleiher,  da  sich  Während  einer
längeren  Zeit  der  Nominalzins  nicht  genügend  erhöht,  um  einen  Ausgleich
zu  schaffen,  ein  geringeres  Quantum  von  Reichtum  oder  Dienstleistungen
zurück,  als  er  billigerweise  erwarten  konnte.  Die  Gläubiger  verlieren  und
die  Schuldner  gewinnen.  Man  beachte  auch,  daß  alle  Personen  mit  verhältnismäßig ­
  festem  Geldgehalt  bei  dieser  Preissteigerung  verlieren.  Wenn
hingegen  das  Preisniveau  fällt,  haben  die  Gläubiger  und  Personen  mit  relativ
festem  Einkommen  auf  Kosten  der  Schuldner  den  Gewinn.  In  beiden
Fällen  erfährt  die  Verteilung  des  Reichtums  aus  rein  monetären  Ursachen
eineVeränderung,  und  diese  Veränderung  kann  dadurch  abgewendet  werden,
daß  der  Maßstab  der  aufgeschobenen  Zahlungen  stabiler  gestaltet  wird.

l )  Rate  of  Interest,  Kapitel  XIV.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.