Full text: Die Kaufkraft des Geldes

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VI. Kapitel. 
des darin enthaltenen Wassers vom Niveau des Ozeans abhängt. Ebenso 
wie draußen im Ozean Ebbe und Flut miteinander abwechseln, so regu 
lieren sich demgemäß die Wassermassen in der Lagune. 
Um das Problem der Verteilung des Geldes unter die verschiedenen Ge 
meinwesen einfacher zu veranschaulichen, wollen wir einstweilen die Tat 
sache außer acht lassen, daß das Geld gewöhnlich aus einem Material besteht, 
das auch zu anderen als zu Geldzwecken verwendbar ist, und daß es geschmol 
zen und geprägt werden kann. 
Wir wollen also einmal die Ursachen erörtern, welche die Quantität des 
Geldes in einem Staate wie Connecticut bestimmen. Wenn das Preisniveau 
in Connecticut zeitweilig unter dasjenige der umgebenden Staaten Rhode 
Island, Massachusetts und New York herabsinkt, so wird ein Export von 
Geld aus diesen Staaten nach Connecticut platzgreifen, da man die Güter 
stets dort kauft, wo sie am billigsten, und verkauft, wo sie am teuersten sind. 
Durch die niedrigen Preise wäre Connecticut ein guter Platz für den Ein 
kauf von Gütern, hingegen ein schlechter für den Verkauf. Wenn nun aber 
Auswärtige in Connecticut kaufen, so haben sie zum Kaufen Geld mitzu 
bringen. Es wird sodann die Tendenz wahrzunehmen sein, daß das Geld 
nach Connecticut abfließt, bis das Preisniveau daselbst so steigt, daß es den 
Zufluß auf hält. Wenn andererseits die Preise in Connecticut höher als in den 
umgebenden Staaten sind, so wird es ein guter Verkaufsplatz und ein 
schlechter Platz für den Einkauf. Wenn aber Auswärtige nach Connecticut 
verkaufen, so erhalten sie im Austausch Geld dafür. Das Geld zeigt dann die 
Tendenz, aus Connecticut abzufließen, bis das Preisniveau in Connecticut 
niedriger geworden ist. 
Hieraus darf aber nicht geschlossen werden, daß die Preise der ver 
schiedenen Artikel oder gar das allgemeine Preisniveau in den verschiedenen 
Ländern genau dasselbe wird. Entfernung, Ungewißheit darüber, wo die 
besten Märkte zu finden sind, Zolltarife und Transportkosten unterstützen 
die Aufrechterhaltung von Preisdifferenzen. Die einheimischen Erzeugnisse 
pflegen in der betreffenden Gegend immer billiger zu sein als anderwärts. 
Solange nun der auswärtige Preis genügend höher ist, um Transportkosten 
mehr als zu decken, solange wird der Export andauern. Faktisch wird 
keine Ware exportiert, wenn ihr Preis nicht mindestens ebenso hoch wie 
der des Ursprungslandes plus Frachtkosten ist. Viele Waren werden nur 
nach einer Richtung hin transportiert. So wird Weizen aus den 
Vereinigten Staaten nach England, nicht aber von England nach den 
Vereinigten Staaten verschifft. In letzterem Lande ist er billiger. Eine 
große Ausfuhr erhöht den Preis in Amerika dem in England gegenüber;
	        
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