Full text : Die Kaufkraft des Geldes

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VI.  Kapitel.

nur  eine  Zeitlang  anhält,  so  hinterläßt  sie  doch  eine  permanente  Zunahme
des  Geldes  und  der  Preise.  Die  Zollschutzmauer  ist  eine  Art  Damm,  der  eine
Erhöhung  in  den  Preisen  der  dahinterliegenden  Güter  verursacht.
Diese  Tatsache  wird  in  der  üblichen  Darstellung  der  Theorie  des
internationalen  Handels  zuweilen  übersehen.  Statt  dessen  wird  die  Tatsache ­
  betont,  daß  letzten  Endes  der  Handel  ein  solcher  von  Gütern  gegen
Güter  und  nicht  von  Geld  gegen  Güter  ist,  und  daß  ein  Einfuhrzoll  nicht  nur
die  Einfuhr,  sondern  auch  die  Ausfuhr  reduziert,  also  somit  bloß  zeitweilig
den  virtuellen  Tauschhandel  der  Nationen  unterbricht.  Die  Wirkung  eines
Einfuhrzolls  wird  damit  der  eines  Ausfuhrzolls  analog  behandelt.  Aber  hinsichtlich ­
  der  Wirkungen  auf  die  Preisniveaus  ist  ein  Einfuhrzoll  einem
Ausfuhrzoll  diametral  entgegengesetzt.  Wenn  wir  unseren  Zoll  auf  den
Export  legen,  so  wirken  wir  zunächst  störend  auf  den  Export  ein.  Dem
Import  wird  kein  Hemmnis  in  den  Weg  gestellt,  bis  das  Geld  abgeflossen
ist  und  das  allgemeine  Preisniveau  genug  reduziert  hat,  um  die  vorher  geschaffene ­
  „ungünstige“  Handelsbilanz  zu  zerstören.  Wir  schließen  daraus,
daß  die  allgemeine  Kaufkraft  des  Geldes  durch  einen  Zolltarif  vermindert
wird,  und  daß  sie  durch  einen  Ausfuhrzoll  erhöht  werden  würde.
Dies  ist  vielleicht  der  Hauptgrund,  warum  ein  Schutzzoll  vielen  eine
Quelle  wirtschaftlichen  Aufschwungs  zu  sein  scheint.  Er  liefert  nicht  nur
den  geschützten  Industrien,  sondern  dem  Handel  im  allgemeinen  einen  temporären ­
  Antrieb,  der  in  Wirklichkeit  einfach  den  Antrieb  zu  einer  Geldinflation ­
  bildet.
Vorläufig  wollen  wir  den  internationalen  Handel  hauptsächlich  daraufhin ­
  betrachten,  welche  Wirkungen  er  auf  das  internationale  Preisniveau
ausübt.  Mit  Ausnahme  des  Umstandes,  daß  der  Export  oder  Import  von
Geld  die  Preisniveaus  adjustiert,  ist  der  internationale  Handel  im  Grunde
bloß  ein  gegenseitiger  Austausch  von  Gütern.  Wo  das  Preisniveau  nicht
berührt  wird,  ist  der  Geldwert  der  in  einem  Lande  verkauften  Güter  dem
Geldwerte  der  gekauften  Güter  ganz  gleich.  Nur  wenn  eine  Differenz  in
diesen  Werten  oder  eine  „Handelsbilanz“  vorhanden  ist,  wird  ein  Zu-  oder
Abströmen  des  Geldes  und  infolgedessen  eine  Tendenz  zur  Veränderung
des  Preisniveaus  eintreten 1 ).
Wir  haben  nun  dargelegt,  wie  das  internationale  und  interlokale  Gleichgewicht ­
  der  Preise  durch  differentielle  Veränderungen  in  der  Geldquantität ­
  allein  gestört  werden  kann.  Es  kann  auch  durch  differentielle
Änderungen  im  Umfang  der  Bankdepositen,  in  der  Umlaufsgeschwindigkeit
Q  Betr.  mathematischer  Darlegung  siehe  §  1  des  Anhanges  zu  diesem  Kapitel  (VI).
            
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