Full text: Über die Bedingungen der industriellen Entwicklung Russlands

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Importstaate vereinbart wird. W. Witschewsky x ) bezeichnet die 
Autonomie des Zolltarifs als ein »Lieblingsprinzip« der russischen 
Zollpolitik und erklärt diese Vorliebe durch folgende Erwägungen: 
»Die Neigung, speziell Rußlands, im Vergleich zu anderen Staaten, 
für die zollpolitische Ungebundenheit läßt sich durch mancherlei 
Erwägungen ergründen. Dem dortigen Fiskus ist der Einfuhr 
handel von jeher ähnlich einem Fels erschienen, aus welchem der 
Stab Arons, Zolldepartement genannt, unschwer neue Goldquellen 
hervorzuzaubern vermag. Bei einem solchen Auffrischungsmittel 
läßt man nicht gern den Mitverschluß eines anderen Staates zu, 
und je näher die Möglichkeit liegt, daß der Fiskus gerade bei 
den Zöllen sich Erholung sucht, desto unlieber muß die Sperrung 
des Zuganges zu diesem Goldborn empfunden werden. Daher ist 
die durch keine internationalen Verpflichtungen eingeschränkte 
Tariffreiheit für Staaten mit vielen fiskalischen Zöllen wichtiger 
als für solche Staaten, die eine Steigerung der Zollsätze in der 
Regel nur auf Grund reiflich erwogener protektionistischer Inter 
essen eintreten zu lassen pflegen.« Die Handelsverträge, beson 
ders mit Deutschland in den Jahren 1894 und 1904 haben der 
Regierung die Hände gebunden und hemmten das Wachstum des 
Zolls. Dessenungeachtet erscheint Rußland zurzeit als ein Staat 
mit den höchsten Zollsätzen. Im Verhältnis zum Wert der im 
portierten Waren beträgt der Zoll * 2 ): 
In Holland 0,4 °/o 
j> Belgien 1,0 » 
» der Schweiz 4,4 » 
» England 4,9 » 
» Frankreich 8,4 » 
» Italien 10,5 » 
* Deutschland 14,3 • 
» den Vereinigten Staaten N. A. . 25,2 » 
» Rußland 33,o » 
Die gegenwärtigen äußerst hohen Zollsätze in Rußland bilden 
das Resultat der Zollpolitik der letzten 25 Jahre. In den sieb 
ziger und sogar in der ersten Hälfte der achtziger Jahre war die 
Norm der Zollbesteuerung doppelt, sogar dreimal niedriger als 
die gegenwärtige: 
') W. Witschewsky, Rußlands Handels-, Zoll- und Industriepolitik von 
Peter dem Großen bis auf die Gegenwart, 1905, S. 368. 
2 ) Nach J. Scott Keltie, The Statesman’s Year-book for 1910.
	        
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