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teile gewährt. Auf diesem Wege, d. h. durch die Heranziehung
ausländischer Kapitalien, haben ihre industrielle Macht alle nun
mehr ökonomisch fortgeschrittene Länder — England, Deutschland,
Nordamerika -— geschaffen« 1 ). Eine ähnliche Betrachtung finden
wir auch bei Herrn M. M. Fedorow, den früheren Minister für
Handel und Industrie: »Daß die Heranziehung ausländischer Kapi
talien,« sagt Herr Fedorow, »immer und überall, nicht nur bei uns,
ein Ziel der Zollschutzpolitik ist, ergibt sich schon daraus, daß
eine solche Politik nur in den jungen Ländern, die ihre eigenen
Kapitalien nicht besitzen, erforderlich ist und dort einen Sinn hat.
Zu diesem Zwecke schafft das Land selbst eine Prämie in der
Gestalt eines hohen Tarifsatzes; es entschließt sich folglich, Opfer
zu tragen, denn das Land wird genötigt, die heimischen, zunächst
vielleicht schlechteren, Produkte teurer zu bezahlen. Aber das
alles wird getan natürlich nur in der Ueberzeugung, daß diese
Prämie das ausländische Kapital heranziehen und die Gründung von
technisch gut bedienten Betrieben ermöglichen wird. Hätte man
das nicht im Auge, so wäre die ganze Zollschutzpolitik eine Ab
surdität und sie hätte nie und nirgends das Ziel erreicht (was aber
durchaus nicht der Fall ist). In der Tat, in diesem Falle hätte
der intensive Schutz nur den Erfolg gehabt, daß das heimische
Kapital von einem Produktionszweig zum anderen überginge ohne
jeglichen Nutzen für das Reich. Man muß somit unbestreitbar an
erkennen, daß eines der Hauptziele der Zollpolitik die Heranziehung
des ausländischen Kapitals sei, da nur unter dieser Bedingung das
Endziel der Schutzpolitik — die Entwicklung aller Produktivkräfte
— erreicht werden kann 2 ).« Bekanntlich war List ein Anhänger
gerade jenes protektionistischen Systems, das Herr Fedorow als
absurd bezeichnet. Der Apostel des Protektionismus hielt es für
unzweckmäßig, diejenigen Industriezweige zu schützen, die für ihre
Entstehung einen Zoll von mehr als 40—60 °/o bedurften und deren
weitere Existenz durch einen 20—30°/oigen Zoll nicht gesichert
wäre 3 ). In seinem »nationalen System« deutet List nirgends an,
daß es möglich wäre, eine nationale Industrie auf Kosten des
ausländischen Kapitals zu schaffen. Anderseits ist es kaum an-
') S. 139.
2 ) Betrachtungen des Redakteurs der Zeitschrift »Westnik Promyschlen-
wosti, Finansow i Torgowli«. M. M. Fedorow, Ueber die Frage von der Be
deutung ausländischer Kapitalien, 1899, S. 23—24.
3 ) Das nationale System der politischen Oekonomie, S. 352.