Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

D. Bekämpfung des Geburtenrücdganges 6: 
Stimme hat ’unter deın Eindruck der gewaltigen Beitereigniffe neue Yuf- 
raflungen und Ziele einer friedliden VBerltändigung zum Ausdruck gebracht. 
Die SGemeinfhaft in Not und Zod in Feld und Heimat hat auch Arbeit- 
geber und Arbeiter wieder per[önlich näher geführt, die Segenfäße 
gemildert, das gegenfeitige Berftändnis gefördert. Neben den SGegefägen 
der Interejfen ift auch ihre Solidarität wieder lebHafter zum Beiwußtjein 
gefommen. Im Rahmen der Standesjolidarıtät der Arbeiter bleibt für 
die Solidarität zwiidhen Arbeitgeber und Arbeitern im einzelnen Betriebe 
noch ein weiter Spielraum. So if vielleicht die Hoffnung nicht unberechtigt, 
daß auch für die Pflege der perjönlihen Beziehungen und gemeinfamer 
Hürforge — FabrikfwohlfahHhrtspflege — wieder mehr BVer- 
itändni3 und Neigung gewecdt it, ein unfchäßbarer Gewinn für die 
Qdjung der gewaltigen Aufgaben, die uns die wirt{Haftlidhe Nenorganilation 
Deutfhlands nach dem Kriege ftellen wird. 
Wenn wir au heute noch — im SGegenfas zu manchen andern Sozialpolitifern — 
neit Überzeugung und Wärme für die STabrikwohlfahrtspflege eintreten, [0 gefhieht es 
in dem Sinne, wie fie ein Abbe, Brandts, Dechelhäufer, Koefide, Freefe u. a. in Schrift 
und Tat gefordert und geübt Haben, — Männer, die zugleich auch die wärmften Vertreter 
und Borkämpfer der gefeblidhen Rechte der Arbeiter und ihrer gewerfkfchaftlichen 
Dragauijationen waren.) Ihre erjte Vorausfebung it: ehrlide Anerkennung der fo- 
zialen Sleidgberechtigung der Arbeiter, vollgültige und gewiffenhafte Erfüllung der 
KXorderungen der Gerechtigkeit bezüglich Lohn, Arbeitszeit, perfönlicher Behandlung 
uf. Danach erft beginnt das Recht und die Pflicht der Wohlfahrtspflege als Ausdrud 
der Überzeugung, daß mit dem Arbeitsvertrag auch eine Fülle von rein menf[hlihen 
und perfönlihen Beziehungen begründet werden, die doch mehr bedeuten als etwa 
ein Kaufe und Leihvertrag und aud) eine ent!prechende menfdhenmwürdige und 
innerlich befriedigende Ausgeftaltung verlangen. (8 wird durchaus anerkannt; daß 
e8 au) Mißbräuche der Wohlfahrtspflege gibt, und daß nicht alles, was ih a1 Wohl- 
Fahrtäpflege ausgibt, als foldje gelten fann. Denn 3. B. ein Zedhenbefiger Arbeiter- 
wohnungen baut und vermietet, nicht beffer und nicht [Hlechter wie jeder Bauyunter- 
nehmer, nur zu dem Zwede, Arbeiter Heranzuziehen, {o ilt das gewiß feine Wohlfahris- 
pflege. Wenn er dabei fogar Vertragstlaufeln fofortiger Kündigung oder gar der Erx- 
mittierung für den Zall des Streiks oder des Eintritts in eine Gemerffchaft vorfieht, 
jo ijt das Vergewaltigung und Wucher, das Gegenteil von Wohlfahrtspflege, Wenn 
aber ein Arbeitgeber ohne Heinlihe Berechhung zwedmäßig und {hön baut und dabei 
ı) Vgl. Ernft Abbe.in Jena. Eijenach 1913, Kahle. Franz Brands. M. Gladbach 
1914, Bolksvereins-Verlag. DehHelhHäulfer W., Die jozialen Aufgaben der 
Xzxbeitgeber. Berlin 1887. Über die DurhHführung der fozialen Aufgaben im Verein 
ser Anhaltihen Arbeitgeber. Chenda 1888. Roe jide Nihard, Arbeiter[ug. 
Deifan 1887. Hige, Pflidten und Aufgaben der Arbeitgeber in der Arbeiterfrage. 
Zugleih als Antwort auf die verwandten Schriften der Herren DecheIäufer 1.110 
Roefide, Köhn 1884, Bachem. Freefe, Das Fonftitutionelle Syftem im Fabrif- 
betriebe. Gotha 1905, Perthes. — Eine umfalfende fyltemotifdge Daritellung der 
Wohlfahrizeinrihtungen gibt AIbreht S., Handbuch der fozialen Wohlfahrts- 
pflege in Deutjdhland. Berlin 1962, Die „Aufgaben und Orgatifation der Fabrik 
mwohlfahrtspflege in der Gegenwart” find auf der 4. Konferenz der Zeniralitelle 
ür Moltzwohliahrt erörtert (Schriften der AZentralitelle 1910).
	        
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