Full text : Deutschlands chemische Industrie

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Leblanc-Soda-Fabrikation  und  der  Deacon-Chlorprozess
  folgt.
Kaliindustrie  Aber  Liebigs  wissenschaftliche  Mahnung  ruft  noch
eine  andere  Industrie  hervor,  die  für  die  deutsche  Volkswohlfahrt ­
  eine  ausserordentliche  Bedeutung  gewonnen
hat.  Deutschland  ist  das  einzige  Land  der  Erde,  das
über  einen  unermesslichen  Reichtum  an  Kalisalzen  verfügt, ­
  die  für  den  Pflanzenwuchs  ebenso  wichtig  sind
wie  die  Phosphorsäure.  Die  bei  der  Salzgewinnung
zuerst  lästigen,  heute  überaus  wertvollen  sogenannten
Abraumsalze,  die  an  manchen  Stellen  die  obere  Schicht
der  ungeheuren  Salzlager  Mitteldeutschlands  bilden,
wurden  1857  bei  Gelegenheit  von  Bohrungen  auf  Steinsalz ­
  in  Stassfurt  entdeckt.  Die  Berliner  Professoren
Rose  und  Rammeisberg  stellen  den  hohen  Kaligehalt
dieser  Salze  fest,  und  1861  begründeten  Herrmann  Grüneberg ­
  und  Adolf  Frank  die  Stassfurter  Kaliindustrie, ­
  die  sich  von  der  Magdeburger  Gegend  bald  nach
Thüringen,  Braunschweig  und  Meckeinburg  ausdehnt,
heute  die  ganze  Welt  mit  Kalidünger  versorgt  und  auf
die  Entwicklung  der  deutschen  Landwirtschaft  einen
enormen  Einfluss  ausgeübt  hat.*)  Die  Kalisalzförderung**)
begann  im  Jahre  1861  mit  2000  Tonnen  und  beträgt
heute  an  reinem  Kali  über  1  Million  Tonnen  im
Werte  von  177  Millionen  Mark.***)  Hiervon  werden
90  Prozent  zu  Düngezwecken  verwendet,  wovon  mehr
als  die  Hälfte  in  Deutschland  verbleibt;  zehn  Prozent
*)  A.  Frank,  Anfang  und  Entwicklung  des  Kalibergbaues  und
der  Kaliindustrie.  Verhandlungen  des  Vereins  zur  Beförderung  des
Gewerbefleisses.  1902,  81,  233.
**)  Chem.  Ind.  1913,  36,  Protokoll  der  Hauptvers.  65.
***)  Die  Förderung  an  Kalirohsalzen  betrug  1912  11  Millionen
Tonnen.  Ebenda  1913,  705.
            
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