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Handelsprodukte geworden sind, die teils in flüssigem
Zustande, teils unter Drucken bis zu 150 Atmosphären
in den Verkehr gebracht werden. Namentlich das Sauer
stoffbedürfnis war es, das im Laufe der letzten zehn
Jahre zu einer bewundernswürdigen neuen Industrie der
komprimierten Gase geführt hat, die auf den Kompri-
Schöpfer der modernen Kälteindustrie, Carl von Linde m,erteGase
in München, zurückzuführen ist.
Der Sauerstoff wird im grossen fast ausschliesslich
durch fraktionierte Destillation flüssiger Luft gewonnen,
die bei Temperaturen von 180 bis 200 Kältegraden in
ihre Hauptbestandteile Stickstoff und Sauerstoff zerlegt
wird. Da man für den vom Sauerstoff abdestillierten
Stickstoff bisher kaum Verwendung hatte, so kommt
er dem neuen AmmoniäkVerfahren besonders gelegen.
Auch der Wasserstoff wird für diesen Zweck auf ähn
liche Weise gewonnen, indem man nach dem Vorgänge
von Frank und Caro das gewöhnlich als Wassergas
bezeichnete Gemisch von Wasserstoff und Kohlenoxyd,
das man in etwa gleichen Raumteilen erhält, wenn man
Wasserdampf über glühende Kohlen leitet, einer fraktio
nierten Destillation unterwirft. Da die Siedepunkte dieser
Gase bei —253° und —192°, also um 61° auseinander
liegen, so lassen sie sich in dem Lindeschen Apparat
ohne Schwierigkeit trennen. Der Wasserstoff wird vom
flüssigen Kohlenoxyd abdestilliert, dessen Heizkraft zum
Treiben der Kompressionsmaschinen ausgenutzt wird.
Man sieht, dass man für die neueste Ammoniakerzeugung
nichts als Luft, Wasser und Kohle braucht, und dass
viel Aussicht vorhanden ist, das Verfahren in Deutsch
land, dem kohlenreichsten Lande Europas, in grösstem
Massstabe durchzuführen und so den Energieinhalt der
fossilen Reste weit zurückliegender Pflanzengenerationen