Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

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I. Abschnitt. 
Waschgold oder in den noch im Muttergestein verborgenen Gängen 
vorkommt, hat seine Gewinnung die verschiedenartigsten Folgen für 
die in der Produktion des Goldes führenden Länder gehabt. So be- 
günstigste das Waschgold in Kalifornien und Australien das Herbei 
strömen zahlreicher Elemente, die sich nach dem Aufhören dieser be 
quemen Art der Gewinnung zum nicht geringen Teile anderen Berufen 
zuwandten und so den Grundstock einer energischen seßhaften Be 
völkerung bildeten. Anders die Goldminen in Südafrika. Hier, wo 
das Gold wesentlich mit Hilfe größerer maschineller Anlagen dem 
Gestein entnommen werden muß, wurde zwar das Anwachsen einiger 
Städte durch die ins ungeheure gesteigerte Produktion erheblich ge 
fördert, dagegen blieb die ursprüngliche landsässige Bevölkerung der 
südafrikanischen Staaten in ihrer Zusammensetzung trotz der starken 
Zunahme der europäischen Einwanderung ziemlich unverändert. 
Wir entnehmen aus dieser nicht hinreichend gewürdigten Tat 
sache die Notwendigkeit, die natürlichen Grundlagen der Güter 
erzeugung bzw. Gütergewinnung auch da zu berücksichtigen, wo es 
sich bei ihrem Vorkommen wie bei den Mineralien oder den wild 
wachsenden Pflanzen um Dinge handelt, die das Land dem Menschen 
ohne sein Zutun bietet. Durch die Kenntnis der natürlichen Be 
dingungen des Vorkommens oder des Gedeihens wichtiger Urprodukte 
gewinnen wir erst die Möglichkeit, auch die in Kulturen gewonnenen 
Handelsgüter in ihrer vollen Bedeutung richtig zu würdigen und uns 
über die Möglichkeit ihrer Verpflanzung und Ausbreitung in andere 
Gebiete klar zu werden. Die Wirtschaftsgeographie wird damit zu 
einer sehr wichtigen Hilfswissenschaft der Akldimatisationsbestrebungen 
unserer kolonisierenden Zeit. So gering man die Bedeutung dieser 
Bestrebungen in alten Kulturländern — wohl mit Unrecht — ein 
schätzen mag, die gesamte Kolonialwirtschaft bedarf ihrer als eines 
ungemein wichtigen Zweiges ihrer Tätigkeit und sie bedarf dazu 
wieder einer Vertiefung der Wirtschaftsgeographie als sehr wesent 
licher Mitarbeiterin. 
Da die Behandlung wirtschaftsgeographischer Fragen und die 
Bildung eines Urteils über solche, ohne eine gewisse Kenntnis der 
zweckmäßigen Verwertung des Zahlenmaterials nicht gut möglich ist, 
so wenden wir uns zu den Grundregeln der geographischen 
Statistik, ohne deren Kenntnis eine einwandfreie Bearbeitung des 
Stoffes mit Schwierigkeiten mancher Art zu kämpfen hat. 
In einigen allgemeinen Forderungen vereinigen sich die geo 
graphische und die nationalökonomische Statistik. So wird als erste 
und wichtigste Bedingung von beiden gefordert, daß nur gleichartiges 
miteinander verglichen werden darf. Wenn beispielsweise der Ver 
brauch bestimmter Dinge in verschiedenen Ländern behandelt wird, 
so müssen die Verbraucher wenigstens annähernd die gleichen sein. 
So darf man unter keinen Umständen den Verbrauch alkoholhaltiger 
Getränke in Deutschland und in seinen Kolonien in der Verrechnung 
auf den Kopf der weißen Bevölkerung nebeinanderstellen, wie das 
in kolonialen Kreisen ganz verkehrterweise immer noch geschieht. 
Denn bei uns sind in der auf diese Weise erreichten Durclischnitts- 
menge auch die Frauen und Kinder mit berücksichtigt, während in 
unseren jungen Schutzgebieten die erwachsenen Männer weitaus die 
Mehrzahl der Weisen bilden. Auf diese Weise schneiden natürlich 
die Kolonialländer erheblich schlechter ab als die Heimat. Vergleicht
	        
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