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Vorwort des Herausgebers.
gilt, wie gesagt, auch für die Mehrzahl der übrigen — aus dem Grunde
fernliegen, weil er selbst überzeugter Anhänger der historischen Schule
war. Von dem Standpunkt dieser Auffassung aus, die der Möglichkeit
einer gedanklichen Bewältigung der Tatsachen, und nun gar auf dem
c Wege der deduktiven Betrachtung, skeptisch gegenübersteht, ist eine
k wirklich eindringende dogmenkritische Betrachtung des Stoffes gar nicht
E denkbar. Einer solchen Auffassung müssen die miteinander kämpfenden
Z Theoreme als ungefähr gleichwertig und gleichberechtigt erscheinen, und
zi so fehlt der Drang zu eindringlicher Kritik, zu erschöpfender Diskussion
B von vorn herein.
t Das Ideal einer Geschichte der nationalökonomischen Doktrinen liegt
in einer Kombination der beiden Verfahren. Dem historischen, wie dem
kritischen Interesse muß in gleichem Maße entgegengekommen werden.
Nun, und ich glaube, daß die Geschichte der nationalökonomischen
Doktrinen von Gide und Rist diesem Ideale näher kommt, als irgend
eines der mir bekannten deutschen und ausländischen Bücher über den
Gegenstand.
Das Buch setzt gerade dort ein, wo Oncken und Adler die Feder
haben niederlegen müssen, so daß der deutsche Nationalökonom mit diesen
drei einander ergänzenden Werken eine volle Darstellung der Geschichte
seiner Wissenschaft besitzt. Es zeichnet die Entwicklung unserer Wissen
schaft von der Physiokratie an bis auf die allerletzte Gegenwart in allen
ihren Richtungen, die Geschichte der bürgerlichen so gut wie die der
sozialistischen Theorien, die mit vollem Recht als wissenschaftlicher
Betrachtung gleich würdig betrachtet werden.
Dem Herausgeber steht nicht zu, der wissenschaftlichen Kritik
ihr Urteil vorwegzunehmen. Nur eine prinzipielle Bemerkung wird ge
stattet sein:
Offenbar kann man Dogmenkritik nur dann treiben, wenn man
selbst einen festen, einheitlichen theoretischen Standpunkt hat. Und
ebenso offenbar muß solche Kritik jedem als einseitig erscheinen, der
auf einem anderen theoretischen Standpunkt steht. Das ist bei dem
Zustande unserer Wissenschaft unvermeidlich, deren Vertreter in keinem
einzigen Punkte untereinander einig sind. Unter solchen Umständen
hat der Kritiker einer solchen Dogmenkritik soweit wie möglich von seinem
eigenen Parteistandpunkt abzusehen und nur zu fragen, ob der Verfasser
den lauteren Willen zu so viel Objektivität der Auffassung, Darstellung
und Kritik gehabt und betätigt hat, wie erwartet werden durfte. Und
der Antwort auf diese Frage in dieser Form dürfen die Verfasser mit Ruhe
entgegensehen, wenn ich von meinem Standpunkt aus urteilen darf, der
ich selbst in wichtigen Punkten der theoretischen Auffassung von ihnen
abweiche. Um das bedeutsamste herauszuheben, so glaube ich z. B.,
daß sie der Grenznutzenschule mehr zugebilligt haben, als ihr zukommt.