Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

XIV

Vorwort  des  Herausgebers.

darf;  daß  der  Vorgeschrittene  unendlich  viel  daraus  lernen  kann,  wie  auch
aus  den  anderen  Schriften  des  unglücklichen  Genius,  bedarf  keiner  ausdrücklichen ­
  Feststellung.
Die  zuerst  1905  (bei  Gustav  Fischer,  Jena)  erschienene  und  seitdem
öfters  aufgelegte  „Geschichte  der  Nationalökonomie“  von  Adolf  Damaschke ­
  bezeichnet  sich  selbst  bescheiden  als  „erste  Einführung“.  Das
Buch  ist  nur  für  Anfänger  und  Laien  bestimmt  und  könnte  daher  den
Zweck,  eigentlichen  Fachmännern  und  älteren  Studierenden  des  Faches
zu  dienen,  selbst  dann  nicht  erfüllen,  wenn  es  die  Absicht  rein  objektiver
Belehrung  und  Kritik  hätte.  Aber  es  hat  diese  Absicht  nicht.  Es  ist  ein
Buch  der  Propaganda  für  die  Ideen  der  Bodenreform,  namentlich  in  der
Henry  GEoitoE’schen  Prägung,  und  als  solches  bewußt  einseitig.
Ganz  neu  ist  allerdings  die  Arbeit  von  Eugen  Fridrichowitz  „Grundriß ­
  einer  Geschichte  der  Volkswirtschaftslehre“ 1 )  —  aber  nach  der,  soweit
ich  sehen  kann,  einstimmigen  Verwerfung  des  Buches  durch  die  wissenschaftliche ­
  Kritik  ist  es  wohl  nicht  fähig,  die  Lücke  zu  schließen,  die  wir
beklagen.
Zwei  andere  sehr  bedeutsame  Werke  deutscher  Autoren  aus  neuester
Zeit  sind  leider  unvollendet  geblieben,  August  Oncken’s  „Geschichte
der  Nationalökonomie“ 2 )  und  Georg  Adler’s  „Geschichte  des  Sozialismus
und  Kommunismus“ 3 ),  die  beiden  Arbeiten,  die  bestimmt  waren,  im
„Hand-  und  Lehrbuch  der  Staatswissenschaften“ 4 )  sich  zu  einer  vollen
Geschichte  der  Ökonomik  zu  ergänzen.  Beide  Werke  brechen  ungefähr
zur  gleichen  Zeit  ab,  Oncken  vor  Adam  Smith,  Adler  vor  der  französischen ­
  Revolution.  Was  bereits  vorliegt,  ist  wohl  allgemein  als  meisterhaft ­
  anerkannt  —  aber  es  ist  zum  Unglück  doch  gerade  nur  das  Vorspiel
zu  dem  eigentlichen  Thema  gewesen.
Außer  diesen  Werken  deutscher  Verfasser 5 )  sind  in  Deutschland  in
Übersetzungen  eingeführt  John  Kells  Ingram’s  „History  of  Political
Economy“ 6 )  und  das  alte,  wohl  bekannte  Buch  von  Luigi  Cossa  „Einleitung ­
  in  das  Studium  der  Wirtschaftslehre“ 7 ).  Dieses  letztere  ist  veraltet, ­
  ein  volles  Menschenalter  stärkster  Entwicklung  der  Wissenschaft
liegt  zwischen  heute  und  seinem  Erscheinungsjahr  —  und  das  englische

*)  München  und  Leipzig  1912.
2 )  Leipzig  1902.  I
3 )  Leipzig  1899.  /
“)  Begründet  von  Kuno  Frankenstein,  fortgesetzt  von  Max  v.  Heckel.
6 )  Hier  können  nur  die  allgemeinen  Darstellungen  von  größerer  Ausführlichkeit
in  Frage  kommen.  Dogmenhistorische  Abhandlungen,  wie  z.  B.  die  von  MoHL ! schen,
die  nur  einzelne  Gebiete  behandeln,  oder  kurze  Darstellungen  in  Lehrbüchern,  selbst
so  treffliche  wie  die  von  H.  von  Scheel  in  „Schönbergs  Handbuch  der  pol.  Ökonomie“,
reichen  für  den  hier  in  Betracht  kommenden  Lehrzweck  nicht  aus.
')  Zweite  deutsche  Auflage,  Tübingen  1905.
7 )  Deutsch  von  Ed.  Moormeister,  Freiburg  i.  B.  1880.
            
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