Full text: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Vorwort des Herausgebers. 
XVI 
Wäre ich nicht der Herausgeber, sondern der kritische Richter, so würde 
ich meinen abweichenden Standpunkt hier im Allgemeinen und in manchen 
Einzelheiten begründen. Aber diese Divergenzen könnten mich doch 
nicht verhindern, zu erkennen, daß die Verfasser sich bemüht haben, 
Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen, jedes System aus seiner 
Wurzel heraus zu verstehen, und, wo es sich um Gegner handelt, mit den 
ehrlichsten Mitteln, ohne Nörgelei und Gehässigkeit, zu widerlegen. Hier 
haben, so scheint es mir, zwei vortreffliche Fachleute die reife Frucht 
einer niemals unterbrochenen ruhmvollen theoretischen Tradition geerntet. 
Und darum erscheint mir dieses Buch als ganz besonders geeignet, um 
bei der Renaissance unserer eigenen, leider völlig abgerissenen, seit Jahr 
zehnten fast ausgerotteten theoretischen Studien mitzuwirken. Es kann 
und wird hoffentlich kräftig dazu beitragen, jenen Zustand unserer Wissen 
schaft herzustellen, in dem eine dogmenkritische Geschichte der national 
ökonomischen Doktrinen nicht mehr sicher ist, fast so viele grundsätz 
liche Gegner zu finden wie Kritiker, jenen Zustand, den wir alle erstreben, 
wo wenigstens über die Grundlagen und Hauptelemente der Theorie 
einigermaßen Einigkeit erzielt sein wird, anstatt des heutigen von Allen 
beklagten Zustandes. 
* * 
* 
Die Übersetzung dieses Werkes hat Herr Horn vorgenommen, ein 
deutscher Neuphilologe, der viele Jahre in Frankreich gelebt hat und 
der französischen Sprache in seltenem Maße mächtig ist. Für die äußere 
Form der Übersetzung ist Herr Horn allein verantwortlich; ich habe 
mich als Herausgeber darauf beschränkt, Urtext und Übersetzung Wort 
für Wort miteinander zu vergleichen, um Mißverständnisse, die unter 
gelaufen sein konnten, auszumerzen, und vor allen Dingen die fachwissen 
schaftliche Terminologie einzustellen, die der Übersetzer selbstverständlich 
nicht vollkommen beherrschen konnte. Ich habe dann noch einmal die 
Revisionsfahnen durchgesehen und glaube nun allerdings versichern zu 
können, nicht etwa daß die Übersetzung absolut fehlerfrei ist — das ist 
wohl nicht zu erreichen —, wohl aber, daß sie dem Ziel der sinngetreuen 
Übertragung so nahe gekommen ist, wie das erwartet werden darf. 
Steglitz im Juli 1913. 
Franz Oppenheimer.
	        
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