Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Viertes  Buch.  Die  Abtrünnigen.

Betrieben  in  keiner  Weise  in  Erscheinung.  Bis  heute  haben  sich  die  Kollektivsten ­
  umsonst  bemüht,  auch  diese  Industrie  durch  Beispiele,  die  sie
den  Vereinigten  Staaten  oder  den  landwirtschaftlichen  Statistiken  europäischer ­
  Länder  entlehnen,  unter  ihr  Lieblingsgesetz  zu  beugen.  Obgleich
die  statistischen  Angaben  so  verworren  sind,  daß  man  daraus  auch  das
Gegenteil  beweisen  kann,  so  haben  sie  sich  doch  nur  schwierig  zu  dieser
Auslegung  benutzen  lassen  und  scheinen  viel  eher  Gründe  zugunsten
der  entgegengesetzten  These  zu  liefern,  nämlich  für  eine  allmähliche
Abnahme  der  durchschnittlichen  landwirtschaftlichen  Betriebsgröße  im
Verhältnis  zum  Wachstum  der  Bevölkerung;  —  eine  Tatsache,  deren
Bestätigung  der  marxistischen  Lehre  einen  doppelten  Schlag  versetzen
würde.  Dies  würde  nämlich  bedeuten,  daß  der  landwirtschaftliche  Kleinbetrieb ­
  sich  nicht  nur  entwickelt,  sondern  daß  der  Kleinbetrieb  sich  gerade
deshalb  entwickelt,  weil  er  produktiver  als  der  Großbetrieb  ist.
Nehmen  wir  aber  einmal  als  Hypothese  an,  daß  das  Gesetz  der  Konzentration ­
  der  Unternehmungen  wirklich  begründet  sei,  Dies  würde  immer
noch  nicht  genügen,  um  die  Richtigkeit  der  marxistischen  Theorie  außer
Zweifel  zu  stellen,  solange  dieses  Gesetz  nicht  von  einer  Konzentration
des  Eigentums  auf  eine  immer  kleiner  werdende  Anzahl  von  Menschen
begleitet  wird.  Weit  davon  entfernt,  die  marxistische  Theorie  zu  stützen,
widerlegen  die  statistischen  Zahlen  sie  gerade  hierin.  Das  Auftauchen
jener  neuen  Spezies,  der  amerikanischen  Milliardäre,  darf  uns  hierüber
nicht  täuschen.  Es  ist  ja  richtig,  daß  es  reichere  Menschen  gibt  als  es
jemals  gegeben  hat,  aber  es  gibt  auch  mehr  reiche  Menschen,  als  es
jemals  gegeben  hat.  Der  Prozentsatz  nicht  nur  der  sehr  großen,  sondern
auch  der  mittleren  und  der  kleinen  Vermögen  steigt  in  allen  Ländern
beständig.  Gerade  die  Aktiengesellschaften,  in  denen  die  marxistische
Schule  eine  Bestätigung  ihrer  These  gesucht  hat,  dienen  im  Gegenteil  dazu,
das  Eigentum  an  eine  unendliche  Zahl  von  Personen  zu  verteilen,  woraus
sich  ergibt,  daß  die  Konzentration  der  Unternehmungen  und  die  Konzentration ­
  des  Eigentums  zwei  ganz  verschiedene  Dinge  sind.  Die  sich
immer  stärker  entwickelnden  Kooperativgenossenschaften  haben,  wer
kann  sagen,  wie  viele  Proletarier  in  kleine  Besitzer  verwandelt!  Und
wieviel  Millionen  kleiner  Rentner  mag  der  große  Krieg  erschaffen  haben-Die
  Behauptung  Marx’,  daß  die  Expropriation  der  Zukunft  viel
leichter  durchführbar  sein  wird  als  die  der  Vergangenheit,  weil  es  genüge* 1
wird,  „Einige  zugunsten  der  Masse  zu  expropriieren“,  ist  daher  vollständig
unrichtig.  Nicht  etwa  nur  eine  Oligarchie,  sondern  die  Masse,  und  zwar
eine  Masse,  die  stetig  wächst,  müßte  expropriiert  werden.  Schon  heute
besitzt  sicherlich  die  Hälfte  aller  Franzosen  irgendwelches  Eigentum-Wertpapiere,
  Grund  und  Boden,  oder  Häuser.  Früher  sprachen  die  Kollek'
tivisten  mit  Verachtung  von  jenen  Fetzen  oder  sogar  von  „jenen  Lumpen
Eigentums  und  sagten,  daß  sie  am  Tage  der  Expropriation  voller  Freude
            
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