Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  I.  Die  Physiokraten.

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§  4.  Zusammenfassung  der  physiokratischen  Doktrin.
Die  Kritiker  und  die  Abtrünnigen.
Wenn  wir  jetzt  die  Beiträge  der  Physiokraten  zur  ökonomischen
Wissenschaft  zusammenfassen,  so  sehen  wir,  daß  sie  von  nicht  geringer
Bedeutung  sind:
Vom  theoretischen  Gesichtspunkte  aus:
1.  Der  Gedanke,  daß  alle  Sozialphänomene  gesetzmäßig  sind  und
folglich  Beziehungen  untereinander  haben,  die  es  zu  entdecken  gilt;
2.  der  Gedanke,  daß  das  sich  selbst  überlassene  persönliche  Interesse
das  ihm  nützlichste  finden  wird  und  damit  auch  das,  was  der  Gesamtheit
®m  Nützlichsten  ist,  —  eine  liberale  Lehre,  die  übrigens  verschiedene
Vorläufer  noch  vor  den  Physiokraten  gehabt  hat;
3.  der  Gedanke,  daß  die  freie  Konkurrenz  den  richtigen  Preis  (bon
P r ' x )  herstellt,  nämlich  den  für  beide  Teile  vorteilhaftesten  Preis,  der  den
Wucherprofit  ausschließt;
4.  eine  zwar  ungenaue,  aber  sehr  durchdachte  Analyse  der  Produktion
und  der  verschiedenen  Kapitalkategorien;  eine  erstmalige  Klassifizierung
der  Einkünfte  und  des  Gesetzes  ihrer  Verteilung;
5.  die  klassisch  gewordenen  Gründe  zugunsten  des  Grundeigentums.
Vom  praktischen  Standpunkte  aus:
1.  Arbeitsfreiheit;
2.  die  Freiheit  des  Binnenhandels  und  die  klassisch  gewordenen
Gründe  in  bezug  auf  die  Freiheit  des  Außenhandels;
3.  die  Begrenzung  der  Funktionen  des  Staates;
.  4.  der  erste  Nachweis  des  Vorzugs  der  direkten  Steuern  gegenüber
en  indirekten  Steuern.
Es  würde  daher  nicht  gerecht  sein,  ihnen,  wie  es  verschiedentlich
geschehen  ist,  vorzuwerfen,  weiter  nichts  als  soziale  Metaphysik  getrieben
z u  haben.  In  den  ersten  Anfängen  einer  Wissenschaft  ist  übrigens  auch  eine
oertriebene  Systematisierung  nie  von  Schaden;  denn  auch  Irrtümer  haben
a  ihren  Nutzen.  Das  Einzige,  was  man  sagen  kann,  ist  —  wenn  ihre  Aufassung
  der  natürlichen  Ordnung  der  ganzen  politischen  Ökonomie  als
r nnd!age,  oder  wenigstens  als  Gerüst  gedient  hat  —,  daß  sie  an  einem
Ptimismus  krankte,  der  die  liberale  Schule,  besonders  in  Frankreich,
*ypnotisieren  und  zur  Unfruchtbarkeit  verurteilen  sollte 1 ).
jjj,,  P  Man  höre  Meroieb  de  da  Rivierb:  „Bewundert,  wie  ein  jeder  Mensch  das
die  R  ZUm  ®d°k  des  anderen  Menschen  ist,  und  das  Glück  des  Einzelnen  scheint  wie
flicht  Wt: ® Un ^  I° r tzuwirken.  Nehmt  dies  in  seiner  wörtlichen  Bedeutung!  Ich  weiß
es  n  °k  W '. r  d ann  Unglückliche  haben  werden;  wenn  es  aber  solche  geben  sollte,  werden
U1  Jenige  sein,  und  die  Glücklichen  werden  so  zahlreich  sein,  daß  wir  uns  nicht
uns  n  t  ® els Iandes  zu  sorgen  brauchen,  dessen  die  Armen  bedürfen  werden.  Alle
ere  Interessen,  all  unser  Streben  wird  sich  im  Interesse  und  Streben  des  Herrschers
4*
            
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