Full text : Die Frau und die Arbeit

leiseste  Begabung  hat,  ist  eine  fortlaufende  Verschwendung ­
  sozialen  Lebensbluts.
,  Freiheit  der  Arbeit  und  Gleichheit  der  Vorbildung,  körperlicher ­
  wie  geistiger,  ist  unbedingt  notwendig,  um  über  die
natürliche  Veranlagung  eines  Geschlechts  oder  einer  Klasse
zu  entscheiden.  Und  darum  geht  unsere  Forderung  dahin,
daß  nicht  künstliche  Einschränkungen,  sondern  die  natürlichen ­
  Bedingungen  es  sein  sollen,  die  unerbittlich,  aber
wohltätig  über  die  Arbeit  jedes  einzelnen  entscheiden.
So  wie  es  nicht  nötig  ist,  den  Hindus,  von  denen  man  gewöhnlich ­
  annimmt,  daß  sie  keine  natürliche  Begabung  für
Sport  besitzen,  diesen  zu  verbieten  —  denn  wenn  sie  kein
Talent  dazu  haben,  werden  sie  ihm  ohnehin  unterlassen  —,
und  wie  es  trotz  dieser  angenommenen  allgemeinen  Unbegabtheit ­
  für  Sport  möglich  ist,  daß  einmal  ein  einzelner
Hindu  der  beste  Kricketspieler  seiner  Zeit  wird,  so  ist  auch
keinerlei  Notwendigkeit  vorhanden,  die  Frau  in  der  Wahl
ihrer  Arbeitsgebiete  gesetzlich  zu  beschränken.  Denn  die
natürliche  Unfähigkeit  eines  Individuums  wird,  wo  sie  besteht, ­
  viel  mächtiger  wirken  als  irgendeine  künstliche,  gesetzliche ­
  oder  soziale  Absperrung,  und  es  kann  Vorkommen, ­
  daß  das  eine  Individuum  unter  zehntausend,  welches
ein  bei  seinen  Artgenossen  jm  allgemeinen  nicht  beliebtes
Arbeitsfeld  wählt,  die  Menschheit  durch  die  Resultate  seines ­
  besonderen  Talents  bereichert.  Daß  in  der  Welt  geistiger
Kultur  und  Arbeit  alle  von  demselben  Punkt  starten  dürfen ­
  und  unserer  alten  Mutter  Natur  das  Schiedsrichteramt,
das  Verteilen  der  Preise  und  Streichen  der  Unfähigen  aus  der
Liste,  überlassen  bleibe,  dasistalles,  was  wir  fordern,  aber  das
fordern  wir  entschieden.  Werft  den  jungen  Hund  ins  Wasser ­
  :  schwimmt  er  —  gut,  sinkt  er  —  auch  gut,  aber  bindet  ihm
nicht  einen  Strick  mit  einem  Stein  um  den  Hals  und  sagt
dann,  er  war  nicht  imstande,  sich  über  Wasser  zu  halten.
Für  heute  muß  unser  Ruf  lauten:  „Jede  Arbeit  gehört ­
  in  unser  Gebiet!“

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