Full text : Die Frau und die Arbeit

112

V.  GESCHLECHTSUNTERSCHIEDE

enn  wir  die  physischen  Geschlechtsphänomene  beim

w  Menschen  untersuchen,  so  finden  wir  in  den  allerersten ­
  Lebensstadien,  im  Keim,  keine  mit  den  uns  bisher
zur  Verfügung  stehenden  Mitteln  erkennbaren  Unterschiede
zwischen  jenen  Keimen,  aus  denen  sich  ein  männliches,
und  jenen,  aus  denen  sich  ein  weibliches  Wesen  entwickeln
soll.  Später,  beim  Fötus,  bei  der  Geburt  und  während  der
Kindheit,  bilden  die  Geschlechtsorgane  wohl  die  Erkennungszeichen ­
  der  Geschlechter,  aber  Bau  und  Tätigkeit
des  Organismus  unterscheiden  sich  im  allgemeinen  wenig
oder  gar  nicht  nach  dem  Geschlecht.
Selbst  dann,  wenn  die  Pubertät  erreicht  ist  und  die
enorme  Entwicklung  des  sexuellen  und  Fortpflanzungstriebes ­
  die  betreffenden  Teile  umbildet  und  gewisse  sekundäre
Geschlechtsmerkmale  hervorbringt,  wird  der  größte  Teil
der  menschlichen  Organe  und  ihrer  Funktionen  durch  die
geschlechtlichen  Veränderungen  wenig  oder  gar  nicht  beeinflußt. ­
  Auge,  Ohr,  Tastsinn,  die  Verdauungs-,  Atmungsund ­
  Willensorgane  sind  in  der  Hauptsache  gleich  und  oft
unter  Personen  desselben  Geschlechtes  abweichender  als
zwischen  solchen  verschiedenen  Geschlechtes.  Selbst  am
Seziertisch  sind  oft  die  Zellgewebe  von  männlichen  und
weiblichen  Körpern  nicht  unterscheidbar.
Erst  wenn  wir  die  Reproduktionsorgane  selbst,  ihre  Form
und  Tätigkeit  betrachten  und  jene  Teile  des  Organismus,
die  mit  ihnen  in  direkter  Verbindung  stehen,  finden  wir
tatsächlich  sich  weitgehend  voneinander  unterscheidende,
aber  einander  vollkommen  ergänzende  Merkmale.  So  wie
wir  uns  den  Reproduktionsorganen  nähern,  zeigen  sich
die  Abweichungen  des  männlichen  vom  weiblichen  Körper, ­
  so  wie  wir  uns  davon  entfernen,  werden  die  Organe
ähnlich  oder  ganz  identisch.  Nehmen  wir  das  Auge,  das
vielleicht  höchst  entwickelte,  komplizierteste  Organ  des
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.