Full text: Die Frau und die Arbeit

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die Toten und Verwundeten hereingebracht. Drei Männer 
aus unserem Dorfe wurden zur Hinrichtung geführt. Auf 
dem kleinen Marktplatz wurden Todesurteile verlesen. Das 
Gefängnis war mit unseren Landsleuten gefüllt, und wir 
wußten von Stunde zu Stunde nicht, was die nächste jedem 
von uns bringen würde. Unter solchen Verhältnissen emp 
fand ich das Bedürfnis, zuweilen meine Gedanken gewalt 
sam von den Schrecknissen der Welt um mich her abzu 
lenken und bei irgendeiner abstrakten Frage zu verweilen. 
So wurde dieses kleine Buch geschrieben, das vornehmlich 
die Wiedergabe eines einzigen Kapitels des größeren 
Buches bildet. Da die bewaffneten Eingeborenen vor mei 
nen vorhanglosen Fenstern Wache standen, war es un 
möglich, die Läden zu öffnen, und das Zimmer war daher 
immer so dunkel, daß selbst die physische Arbeit des 
Schreibens schwierig war. 
Einundeinhalb Jahre später, als der Krieg vorüber und der 
Friede schon seit mehr als vier Monaten verkündet war, 
erhielt ich mit vieler Mühe die Erlaubnis, den Trans 
vaal zu besuchen. Ich fand unter den verbrannten Über 
resten den Lederrücken meines Buches unversehrt, aber 
von den Blättern die vordere Hälfte weggebrannt; der hin 
tere Teil der Blätter, nächst dem Deckel, war vorhanden, 
aber von den Flammen so gebräunt und versengt, daß sie 
bei der Berührung zerfielen. Es blieb nichts übrig, als alles 
zu vernichten. Selbst damals hatte ich noch die Hoffnung, 
daß ich das ganze Buch in künftigen Tagen nochmals 
schreiben könnte. Aber das Leben ist kurz, und ich habe er 
kannt, daß ich das Buch nicht nur niemals wiederschreiben 
werde, sondern daß meine Gesundheit es mir nicht einmal 
gestattet, diese kleine Erinnerung daran zu vervollständi 
gen und abzurunden. 
Nur mit ernstlicher Sorge gebe ich daher dieses Frag 
ment heraus. Mich tröstet nur der Gedanke, daß vielleicht 
jedes aufrichtige und ernste Suchen nach Wahrheit, selbst
	        
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