Weltbedeutung und Entwicklungstendenzen
der deutschen Kali-Industrie
Rund drei Viertel der Weltkaliproduktion entfallen
auf Deutschland. Diese Tatsache kennzeichnet in Verbindung mit den
deutsch-französischen Kaliverträgen die Weltbedeutung der deutschen Kali-
industrie. Es ist auch wenig wahrscheinlich, daß sich diese überragende Rolle in
der Weltmarktversorgung wesentlich ändern wird. Kali läßt sich nicht wie Stick-
stoff an beliebigen Punkten des Erdballs erzeugen, und alle bisherigen Meldungen
über neue Kalifunde, die in verschiedenen Zeitabständen in den Tageszeitungen
immer wieder auftauchen, haben sich bisher entweder als übertrieben erwiesen,
oder die Erschließung ist noch mit so großen Schwierigkeiten verknüpft, daß an
eine Ausbeute noch nicht zu denken ist. Hat sich, für viele überraschend, in der
internationalen Stickstoffwirtschaft im Laufe der letzten Jahre eine empfindliche
Ueberproduktion ergeben, die auf die Preise drückt und eine Vollausnutzung der
vorhandenen Anlagen fast in keinem Land erlaubt, so ist eine ähnliche Entwick-
lung in der Kaliindustrie ziemlich ausgeschlossen, und zwar erstens, weil die Zahl
der abbauwürdigen Kalivorkommen auf dem Erdball verhältnismäßig begrenzt
ist, zweitens weil die beiden Hauptkaliproduzenten, Deutschland und Frankreich,
die zusammen etwa 94%, des Reinkalibedarfs der Erde decken, organisatorisch
eng verbunden sind, und drittens, weil die Aussichten, bei der Landwirtschaft
vermehrten Absatz zu finden, in fast allen Ländern noch immer außerordentlich
rroß sind.
In den zwölf Jahren, die seit dem Uebergang der elsässischen Kaligruben und
-vorkommen in französische Hände verstrichen sind, hat die deutsche Kaliindustrie
sich wesentlich verändert. Vor dem Kriege hatte sie bekanntlich ein einzigartiges
Weltmonopol: Fast 100 % der auf dem Erdball geförderten Rohsalze und 99 % der
gewonnenen Reinkalimengen entfielen damals auf Deutschland. 1928 wurden von
der Reinkaligewinnung der Welt in Deutschland 75,5 % erzeugt, in Frankreich
18,3 %, in Polen 1,6 %, in Spanien 0,7 %, in den Vereinigten Staaten 3,6 %. Den
kleinen Rest stellen Italien, Japan und Britisch-Indien. Die Zerschlagung des
deutschen Welt-Kalimonopols und die bekannten verschiedensten Nachkriegs-
störungen des deutschen Wirtschaftslebens verlangten von der Kaliindustrie zur
Aufrechterhaltung ihrer Weltstellung, wie sie der auch heute noch überragenden
Größe der deutschen Kalilager entspricht, Neuorientierung und Neuorganisierung.
Denn nach der Beseitigung der früher innegehabten internationalen Monopol-
macht mußten sich die unwirtschaftlichen Entwicklungserscheinungen der Vor-
kriegs- und teilweise auch noch der Kriegszeit, das treibhausartige Emporwachsen
immer neuer Anlagen, die kostspielige Produktionszersplitterung höchst ungünstig
auswirken. Daher vollzog sich in den Nachkriegsjahren, unterstützt durch gesetz-
liche Maßnahmen, eine Rationalisierung und Konzentrierung großen Stils: die
Heranbildung großer Konzerne und Gruppen, die Stillegung unrentabler Schächte,
insbesondere die Abkehr von Salzen mit geringerem Kaligehalt, in der Kali-
verarbeitung dementsprechend der Uebersang zur Großfabrikation. überall eine