9 Schreiner, Die Frau
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heißen wird: „Welche ernste Arbeit hat diese Frau geleistet,
daß sie das Vorrecht haben soll, Kinder in die Welt
zu setzen ?“
Aber man wendet weiter ein: „Wie, wenn die weibliche
Hälfte der Menschheit wohl imstande ist, außer ihren Aufgaben
als Geschlechtswesen auch einen Teil der gesellschaftlichen
Arbeit auf den neuen Arbeitsgebieten, wie
einst auf den alten, zu leisten, aber doch in mancher Beziehung
weniger fruchtbare als die Männer? Wie, wenn im
großen ganzen das Arbeitsresultat der beiden Hälften der
Menschheit kein gleich großes wäre?“
Darauf läßt sich nun folgendes erwidern: Es liegt gewiß
im Bereich der Möglichkeit, daß ein geheimnisvoller Zusammenhang
besteht zwischen den Geschlechtsfunktionen
des Mannes und irgendwelchen Anlagen, die ihn mehr als
die Frau zu einer nützlichen und segensreichen Tätigkeit
für die Menschheit in ihrem derzeitigen Entwicklungsstadium
befähigen. Doch wir sehen den Grund nicht, warum
dem so sein müßte, und bei dem gegenwärtigen Stand unseres
Wissens wird kein vernünftiger Mensch ein Urteil
darüber fällen, aber möglich ist es. Andererseits könnte es
sich auch bei Betrachtung aller Zweige produktiver Arbeit
im Laufe der Zeit heraussteilen, daß im großen ganzen der
Wert der Arbeit beider Hälften der Menschheit sich so die
Wage hält, daß keinerlei Überlegenheit eines oder des andern
Teiles auch bei genauester Untersuchung festzustellen
wäre. Auch das ist möglich.
Aber es könnte auch geschehen, daß künftige Zeiten, die
das Ganze, die Totalsumme menschlicher Tätigkeit überblicken,
den Wert der weiblichen Arbeit in der Welt, die
um uns her ersteht, dem der männlichen Arbeit in Qualität
oder Quantität überlegen finden. Wir haben keinen Grund,
anzunehmen, daß dem so sein werde; es liegt nichts in der
Natur der weiblichen Geschlechtsfunktionen, das notwendig
eine solche Überlegenheit bedingen würde. Aber im-