Full text : Die Frau und die Arbeit

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herumträgt,  gegen  einen  Lohn  von  vierhundert  Mark  im
Jahr,  während  er  mit  der  Frau,  die  er  sich  zu  seinem  Vergnügen ­
  hält,  Konzerte  oder  Gesellschaften  besucht,  auch
das  macht  ihm  nicht  die  geringste  Sorge.  Aber  daß  dieselbe ­
  Person  vielleicht  als  Beamtin  2000  Mark  verdienen
und  ihr  eigenes  anständiges  Heim  und  freie  Abende  für
ihr  Vergnügen  oder  Studium  haben  könnte,  das  erregt  ihn
tief.  Nicht  so  sehr  die  Arbeit  oder  das  Maß  der  Arbeit  ist
es,  als  viel  mehr  die  Höhe  des  Lohnes,  was  seinem  Ideal
des  Ewig-Weiblichen  widerspricht;  er  ist  in  der  Regel
ganz  damit  einverstanden,  daß  die  Frau  für  ihn  arbeitet,  sei
es  nun  als  Plantagenarbeiterin,  als  Waschfrau  oder  als  Pflegerin ­
  der  Kinder,  die  er  in  die  Welt  setzt,  —wenn  nur  die
Bezahlung,  die  sie  erhält,  nicht  hoch  ist,  und  wenn  es  sich
nicht  um  jene  Arbeitsgebiete  handelt,  die  er  für  sich  selbst
reserviert  wissen  will.  —
Ein  Mann  hatte  zusammen  mit  seinem  Esel  eine  schwere
Last  einen  steilen  Berg  hinaufgeschleppt;  sie  waren  über
schroffe  Felsen  und  über  gleitendes  Gerolle  gewandert,  wo
es  kein  Wasser  und  nur  karges  Gras  gab.  Als  sie  nun  auf
die  Höhe  des  Berges  kamen  und  sich  vor  ihren  Blicken  die
grünen  Matten  erstreckten,  als  sie  durch  breite,  halbgeöffnete ­
  Tore  das  wogende  Laub  der  Bäume  schimmern  sahen
und  Quellen  rieseln  hörten,  da  sprach  der  Herr  zu  seinem
Esel:  „Mein  gutes  Tier,  ruhe  dich  jetzt  aus,  ich  kann  die
Last  jetzt  schon  allein  tragen,  bleib  du  nur  ruhig,  du  armes
Vieh,  du  hast  dich  genug  geplagt,  ich  werde  allein  weitergehen.“ ­
  Da  flüstert  aber  selbst  das  Grautier  mit  einem
Blick  auf  das  offene  Tor  und  die  grünen  Wiesen  dahinter:
„Herr,  wir  haben  den  hohen  Berg  zusammen  erklommen,
die  Steine  haben  mir  die  Hufe  zerschnitten  wie  Euch  die
Sohlen.  Hättet  Ihr  am  Fuß  des  Berges  gefunden,  die  Last
sei  zu  schwer  für  mich,  und  mir  zugeredet,  liegen  zu  bleiben,
vielleicht  hätte  ich  Euch  gehorcht.  Aber  jetzt,  wo  ich  hier
die  offenen  Tore  sehe,  den  ebenen  Weg  und  die  grünen
            
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