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hält, in seinen Augen wahrscheinlich auch nicht annähernd
den gleichen Wert, wie für Tausende moderner europäischer
Männer ihre verhältnismäßig freien Frauen, die sie erst oft
nach langer, mühevoller Werbung gewonnen haben.
Die Tatsache, daß der Wert der Frau für den Mann mit
ihrer Freiheit wächst, ist so sehr ein Axiom, daß man, jedesmal,
wenn von der hohen Wertschätzung der individuellen
Frau berichtet wird, auch mit Sicherheit auf eine verhältnismäßige
soziale Freiheit der Frau schließen kann, und
überall, wo ein hoher Grad von Freiheit der Frau in einer
Gesellschaft gegeben ist, kann man den großen Geschlechtswert
der einzelnen für den Mann folgern.
Wenn schließlich die Annahme, daß Mann und Frau einander
nicht mehr anziehen werden, darauf ruht, daß mit
dem Eintritt in neue Arbeitsgebiete ihre Intelligenz zunehme
und ihr Gesichtskreis sich erweitere, so muß dem
entgegnet werden, daß die ganze Richtung der Menschheitsgeschichte
dies absolut verneint. Es gibt nirgend
einen Grund für die Voraussetzung, daß erhöhte Intelligenz
und Geisteskraft die Geschlechtsempfindung des Menschen,
sei es des Mannes oder der Frau verringert. Der unwissende
Wilde in Vergangenheit und Gegenwart, der ein
Weib vergewaltigt und es sich mit Gewalt unterwirft, mag
von einer bestimmten Art der Geschlechtsempfindung beherrscht
sein und ist es auch tatsächlich; aber nicht weniger
waren es die gebildetsten, bedeutendsten und höchst
differenzierten Geister unter den Männern, die die Menschheit
hervorgebracht hat. Ein Mill, ein Shelley, ein Goethe,
ein Schiller, ein Perikies waren nicht minder für die Tiefe
und Stärke ihres sexuellen Empfindens als für ihre hohen
Geisteskräfte bekannt. Und bei der Frau ist womöglich
die Beziehung zwischen der Stärke ihres sexuellen Empfindens
und der Höhe der Geistesgaben eine noch engere.
Das Leben einer Sofia Kowalewska, einer George Eliot,
einer Elisabeth Browning waren nicht weniger durch ein