verließ, um zu heiraten und der Sohn in die Reihe der
Männer trat, standen die Kinder fortwährend unter dem
Einfluß der Mutter. Heute aber sind selbst die einfacheren
und formalen Zweige der Erziehung so kompliziert
geworden, so gewaltig und unnachsichtig sind die Forderungen
der modernen Zivilisation an die spezialisierte
Unterweisung und Erziehung jedes einzelnen, der unter
den heutigen Lebensbedingungen bestehen und sich nützlich
erweisen soll, daß das Kind von den frühesten Lebensjahren
an größtenteils den Händen der Mutter entzogen
und verschiedenen eigens geschulten Erziehern übergeben
wird. Bei den besitzenden Klassen wird das Kind, kaum
geboren, in die Hände einer geschulten Pflegerin gelegt,
aus denen es in die des geprüften Erziehers gelangt; mit
neun oder zehn Jahren verläßt in manchen Ländern der
Knabe für immer das Elternhaus, um in eine Erziehungsanstalt,
dann ins College und auf die Universität zu kommen;
während das Mädchen unter der Aufsicht von Erzieherinnen
und Dienerinnen aufwächst und seine Erziehung
und Bildung meistenteils auch nur in geringem Maße
dem mütterlichen Einfluß dankt. In den besitzlosen Klassen
wieder entzieht zuerst der Kindergarten und die Volksschule,
später die Schulung für ein Handwerk oder Gewerbe
den Sohn und oft auch die Tochter ebenso vollständig
der mütterlichen Aufsicht, und das um so mehr, je
weiter die Zivilisation fortschreitet. So auffallend ist der
Wandel auf diesem ehemaligen Gebiet weiblicher Tätigkeit,
daß fast in allen Ständen Frauen, die mehrere Kinder
zur Welt gebracht haben, in noch mittleren Jahren allein in
ihrem leeren Hause sitzen, weil all ihre Kinder in der
Fremde sind, um ihre Erziehung und Bildung von anderen
zu erhalten. Die alte Behauptung, daß die Erziehung und
Bildung der Kinder ausschließlich die Aufgabe der Mütter
sei, so wahr sie in bezug auf die ferne Vergangenheit sein
mag, ist jetzt vollständig unrichtig; und die Frau, die heut