Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Elftes Buch. Erstes Kapitel. 
weis die Rheinpfalz; zudem bildete sich unter ihm eine be— 
deutende Reichsgütermacht im Pleißner Lande aus, die doppelt 
wichtig zu werden versprach, seitdem Heinrich VI. die Mark— 
grafschaft Meißen für das Reich eingezogen hatte. Allein wie 
wurde der kräftige Gang dieser Erwerbungen im Laufe des 
13. Jahrhunderts unterbrochen! Schon Philipp von Schwaben 
war maßlos in Vergabungen; in den späteren Jahren Fried⸗ 
richs II. und unter Konrad IV. kam es dann zu einer förm— 
lichen Plünderung des Reichsbehörs. Was schließlich übrig 
blieb, betrug an Flächeninhalt etwa Dreiviertel der Mark 
Brandenburg; es lag zerstreut im Mündungsgebiet des Mains 
in den Rhein, zwischen Neckar und Donau und Donau und 
Lech, dazu kamen die Landgrafschaft Niederelsaß, Teile der 
Oberpfalz und das sächsische Vogtland mit der Burggrafschaft 
Altenburg. Es waren im Mutterlande elende Reste einstigen 
Besitzes; auf das Kolonialgebiet aber erstreckte sich der Reichs— 
besitz so gut wie gar nicht. Und doch wäre gerade auf diesem 
Boden bei festem Zugreifen der Könige eine neue territoriale 
Begründung der Reichsgewalt nochmals möglich gewesen, wie 
Vorgänge späterer Zeit beweisen. 
Das Kolonialgebiet zeichnete sich vor dem Mutterlande da— 
durch aus, daß es das Land besonders großer Territorien war. 
Wie die Siedelhufe der vlamischen und fränkischen Bauern die 
alte Volkshufe der Heimat in ihrem Umfang um das Doppelte 
zu übertreffen pflegte, folgend dem Gesetz extensiveren Aus— 
maßes und darum reicheren Bodenumfangs aller kolonialen 
Kulturen, so waren auch die Territorien des neugewonnenen 
Ostens durchschnittlich mindestens doppelt so groß als die des 
Mutterlandes, und die zahlreichen Miniaturbildungen der 
Heimat fehlten fast ganz. In stolzer Reihe waren diese öst— 
lichen Territorien nebeneinander gelagert, indem sie zugleich fast 
immer Länder umfaßten: Preußen und Pommern; Branden⸗ 
burg und Schlesien; Böhmen und Mähren; sterreich, Steier— 
mark, Kärnten und Krain. Die hervorragendsten unter ihnen 
aber waren für die Zeiten des hohen und auch noch des späteren
	        
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