Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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Jahre  1808  und  1809  wurde  auf  hanseatische  Schiffe  in  westfranzösischen ­
  Häfen  Embargo  gelegt,  ein  Beweis,  daß  diese  sich
noch  vereinzelt  hinauswagten.  Auch  die  Wattfahrt  nach  Holland,
die  vor  englischen  Angriffen  ziemlich  gesichert  war,  wurde  fortgesetzt.
1807  waren  noch  einige  Schiffe  unter  hanseatischer  Flagge
(4972  Tons  im  ganzen)  nach  Amerika  gegangen,  1808  keines  mehr-Die
  Grönlandfahrt  stockte  in  den  Jahren  1808—1815  völlig,  mit
Ausnahme  des  Jahres  1810,  wo  9  Hamburgische  Schiffe  in  See
gingen,  zu  deren  Ausrüstung  mehrere  Kaufleute  „den  Rest  ihres
Vermögens  zusammengesucht  hatten,  um  selbst  zu  verdienen  und
besonders  auch  dem  so  sehr  verarmten  Volke  Verdienst  zu  verschaffen". ­
  Mit  knapper  Not  entgingen  sie  der  Beschlagnahme  durch
die  Engländer.  Von  den  51,  86,  78  Schiffen,  die  in  den  Jahren
1808—10  im  Lübecker  Hafen  verkehrten  (gegen  1572  im  Jahre  1805!)
waren  die  meisten  kleine  dänische  Küstenfahrer.
Und  während  die  Nahrungsquellen  der  Städte  niehr  und
mehr  versiegten,  drückten  die  Lasten  der  Okkupation  immer  schwerer.
In  einem  Schreiben  an  Bourrienne  vom  2.  März  1809  bezifferte
Senator  Westphalen  den  direkten  Schaden,  den  Hamburg  bis  dahin
durch  die  französische  Besetzung  erlitten  hatte  auf  etwa  81  Millionen
Mark  Banko.  In  Bremen  erpreßten  die  fremden  Offiziere  unerhört ­
  hohe  Tafelgelder.  Besonders  die  holländischen  Generäle
von  Hasselt  und  Gratien  taten  sich  durch  eine  geradezu  schamlose
Ausbeutung  hervor,  bis  eine  Beschwerde  des  Senats  bei  Bernadotte
  ihrem  Treiben  ein  Ende  machte.  Die  Verpflegung  der  Offiziere
und  die  Unterhaltung  der  Lazarette  kostete  der  Stadt  in  knapp
zwei  Jahren  über  eine  Million  Mark.  In  allen  drei  Städten
mußten  die  Steuern  wesentlich  erhöht  und  durch  neue  vermehrt
werden.  Auch  zu  Zwangsanleihen  sahen  sich  die  Stadtregierungen
verschiedentlich  gezwungen.
Dem  sinkenden  Verdienst  und  dem  erhöhten  Steuerdruck
standen  steigende  Preise  gegenüber.  Eine  Flasche  Bordeauxwein,
die  vor  der  Sperre  für  6—8  Schilling  zu  haben  war,  kostete  jetzt
20—24  Schilling;  die  schlechtesten  Sorten  von  Kaffee  und  Zucker
bezahlte  man  mit  30—40  Schilling  das  Pfund.  In  den  meisten
Häusern  begnügte  man  sich  mit  einem  Kaffeesurrogat  von  Zichorie,
sogenanntem  „Deutschen"  oder  „Kontinent-Kaffee",  oder  auch  mit
gebrannten  Graupen  oder  Eicheln.  Nur  der  spartanische  Fichte
            
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