Full text : Die Hansestädte und die Kontinentalsperre

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Bei  unbefangener  Betrachtung  der  französischen  Herrschaft  in
den  hanseatischen  Departements  kommt  man  in  der  Tat  aus  dem
Erstaunen  über  die  Kurzsichtigkeit  der  Machthaber,  dieses  vollkommene ­
  Verkennen  der  einfachsten  Gebote  der  Regierungsklugheit
nicht  heraus.  Die  souveräne  Nichtachtung  der  Sitten  und  Lebensgewohnheiten ­
  anderer  Nationen,  die  gewaltsame  Völkerbeglückung,
war  allerdings  eine  Erbschaft,  die  die  französischen  Beamten  von
der  Revolution  übernahmen,  aber  die  rücksichtslose  materielle
Schädigung  der  fremden  Untertanen,  um  —  koste  es,  was  es
wolle  —  das  letzte,  höchste  Ziel,  die  Niederringung  Englands  und
Rußlands  zu  erreichen,  trug  nur  allzudeutlich  den  Stempel  des
Geistes  ihres  Herrn  und  Gebieters.  Napoleon  war  wie  ein  Baumeister, ­
  der,  um  die  Kuppel  des  Gebäudes  zu  vollenden,  die  Steine
aus  den  Grundmauern  herausnimmt.  Die  hohlen  Prahlereien
der  Präfekten  über  die  geplante  Austrocknung  der  Moore,  die
Kultivierung  der  Heiden,  die  Anlegung  eines  Straßennetzes  vermögen ­
  nicht,  darüber  hinwegzutäuschen,  daß  die  französische  Herrschaft ­
  im  ganzen  nur  die  Ausbeutung  der  annektierten  Gebiete
zu  fremden,  ihrer  eigenen  Wohlfahrt  durchaus  nicht  dienlichen
Zwecken  im  Auge  hatte.  Was  die  Beamten  mit  der  einen  Hand
zu  geben  —  versprachen,  das  nahmen  sie  mit  der  anderen  Hand
doppelt  und  dreifach.  Der  angekündigte  Bau  der  Straße  Wesel-Hamburg
  (übrigens  vorwiegend  zu  militärischen  Zwecken)  wurde
zwar  zum  Teil  ausgeführt,  aber  nur  dadurch  ermöglicht,  daß  man
die  Arbeiter  einfach  nicht  bezahlte.  Unter  dem  eisernen  Druck
des  zur  Spitze  getriebenen  Kontinentalsystems,  der  Steuern,  besonders ­
  der  indirekten  (Droits  reuni«),  der  Militärlasten  machte
die  Verarmung  der  Bevölkerung  reißende  Fortschritte.  In  Mecklendurg
  wurde  1811  die  Getreideausfuhr  kurzerhand  verboten,  und
diese  Unterbindung  ihres  wichtigsten  Nahrungszweiges  trieb  nicht
nur  die  Bauern  zur  Verzweiflung,  sondern  ließ  auch  die  Staatseinnahmen ­
  rapide  zurückgehen.  In  Lübeck  nahm  die  Bevölkerung
durch  Auswanderung  ab,  so  daß  schließlich  gegen  200  Häuser  leer
standen.  Eine  Menge  Grundstücke  wurde  mit  großen  Verlusten
veräußert,  etwa  300  kamen  zur  Subhastation,  fanden  aber  wenig
Käufer,  und  infolgedessen  sank  natürlich  der  Häuserwert.  Auch
die  Zahl  der  Eheschließungen  ging  zurück.  Ein  großer  Teil  der
i>u  Elend  verkommenden  Bevölkerung  suchte  seinen  Lebensunter-4*

            
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