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DEUTSCHLAND. — Bayern (Finanzen).
Das Militär erhielt von 1848—55 ausser dem Budgetansatze, aus
serordentlicher Weise, vermittelst Anlehen noch weitere 21’389,423 fl. ;
1851» ferner 25’417,500. (Die Expedition nach Kurhessen, 1850 und
51, kostete nach den ministeriellen Kammervorlagen 3’540,471 fl, [un
gerechnet weitere 814,848 fl. »für vermehrte Truppenhaltung im Innern«],
wofür ein Entschädigungsanspruch an Kurhessen erhoben, von diesem
aber nicht anerkannt wurde. Die »Kriegsbereitschaft« von 1855 soll gegen
5 Mill, erfordert haben. Für die militärische Hülfeleistung in der Pfalz,
1849, bezog Preussen 202,500 fl. In den 7 Jahren —18*755
wurden im Ganzen für die Armee 109’S00,39S fl. ausgegeben. In dem
Rechnungs-Jahre 18*%g allein stieg diese Ausgabe auf 23’357,029 fl.
Die Pensiojien sind nirgends so zahlreich und so hoch, als in Bayern.
Das Cadaster hatte schon am 1. Oct. 1853 19’155,031 fl. gekostet, und
zur Vollendung nahm man weitere 3 Mill, in Aussicht. (Aus den Zin
sen dieses Capitals liesse sich ein ansehnlicher Theil der Grundsteuer
decken.) Der bayer. Staat erfreut sich übrigens eines grossen Domä-
nenbesitzes, nur ist der Ertrag gering (so liefern die rechtsrheinischen
Bergwerke nicht das geringste Reineinkommen ; ebensowenig die Militär-
Fohlenhöfe, obwol sie 19,309 Tagwerk [etwa 1*/^ Q.-M.] Grundeigen
thum und ein grosses Inventar besitzen). — Ehrenvolle Ewähnung ver
dient , dass die Abgeordnetenkammer die Aufhebung des Lotto vom
1. Jan. 1802 an erwirkte, obwol dasselbe in den 4 letzten Jahren durchschn.
2'7 1 9,130 fl. rein ertragen hatte (bei 9’03S,205 fl. Einlagen) und ob
schon gerade in dieser Zeit ungewöhnliche Bedürfnisse bestanden.
Der Aufwand für die Staatseisenbahnen betrug bis 30. Sept. 1802
120’740,139 fl. Die Einnahme war 18"%; 14’243,702, die Ausgabe
0,958,875 (40 7„), der Reinertrag 7 284,827 fl. Es sind dies 5.9 %
vom Anlagecapit. (Befördert: 4’325,908 Pers., 24’347,703 Cntr. Güter.
Kein Reisender ward beschädigt, dagegen kamen 9 Bedienstete durch
eigene Unvorsichtigkeit ums Leben, 3 wurden ohne, 1 1 durch eigene
Schuld beschädigt.)
Kreisinsten. Ausser den unmittelbar durch die Staatscasse bestrit
tenen Ausgaben, müssen deren viele für Verwaltung, Justiz, Unterricht,
Wohlthätigkeit etc. durch die einzelnen Regierungsbezirke vermittelst
besonderer Kreis-Umlagen gedeckt werden. (Bcischlagsprocente zu allen
directen Steuern; in den 7 ältern Kreisen durchschn. 8—11, in der
Pfalz nicht weniger als 53—5 1 Proc., zusammen durchschn. 1 ’024,000 fl.,
wovon 417.000 blos auf die Pfalz treffen.)
Frühere Finanzverhaltnisse. Vor der franz. Revolution wurden die
Einkünfte auf 10 Mill. fl. geschätzt. Die Steuern waren nicht nur
freiwillige Leistungen der I^andschaft, sondern die Steuercassen standen
auch nicht unter fürstlichen, sondern unter eigenen Landschaftsbeamten.
Von 1800— 1819 herrschte der Absolutismus; die Staasrechnungen
wurden jeder Volkscontrole entzogen. Es entstand ein grosses Deficit
(was zur Vcrfassungsverleihung mit wirkte), ln den 1 830er Jahren er
rechnung 1 T’Oltl,500 fl. mehr als 18*%,). Die beiden Erzbischöfe erhalten für
ihre Personen 20,000 und 15,000 fl., 3 Bischöfe jeder 10,000, die 3 andern je
8000 fl., ausserdem Palais. Die Domkapitel kosten überdies 187,000 fl.