Object : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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Minimallohn  bis  auf  6  °/o  unter  den  schweizerischen  heruntergehen ­
  diirfe.  Zugleich  schuf  man  eine  Art  Kartellverhültniß
zwischen  beiden  Verbänden,  wonach  die  Mitglieder  des  einen
Verbandes  nur  mit  Mitgliedern  des  andern  verkehren  durften.
Man  gab  damit  von  hier  alls  dem  sächsischen  Verbände  einen
stärkeren  .Halt,  da  nun  alle  Jene,  welche  von  der  Schweiz
Arbeit  nahmen,  zum  Eintritt  in  den  letztern  so  gut  wie  gezwungen ­
  wurden,  da  sie  sonst  den  Verlust  der  bisherigen
Arbeitgeber  riskirten.  Von  Seite  der  schweizerischen  Arbeitgeber ­
  lvurde  diese  Bestiinmung  im  Ganzen  getreulich  eingehalten, ­
  wenigstens  war  nur  ein  einziges  Mal  eine  dringlichere
Mahnung  nothwendig,  Waaren  im  Veredlungsverkehr  nach
Sachsen  nur  an  Mitglieder  des  dortigen  Verbandes  ui  Arbeit
zu  geben.  Dagegen  wurde  an  der  Delegirtenversammlung  von
1888  eine  Motion  angenommen,  welche  das  Zentralkomite
bevollmächtigte,  dafür  zu  sorgen,  das;  die  sächsischen  Verbandsmitglieder ­
  für  schlveizerischc  nicht  unter  dem  dortigen  Minimal
lohue  arbeiten.
Man  knüpfte  schweizerischerseits  große  Hoffnungen  an
das,  was  in  Sachsen  erreicht  wurde,  im  Bewußtsein,  daß  mau
Hand  ill  Hand  mit  der  dortigen  Industrie  der  Lohnfrage  eine
wirklich  günstige  Wendung  geben  könne.  Schon  die  ersten
Monate  des  Bestandes  des  sächsischen  Verbandes  zeigten,  daß
derselbe  trotz  der  besten  Absichten  seiner  Leiter  mit  weit  größeren
Schwierigkeiten  zu  kämpfen  hatte  als  der  schweizerische.  Man
vermißte  eine  schneidige  Konsequenz  beim  Hineinzug  der  Interessenten ­
  in  gleichem  Maße  wie  bei  der  Durchführung  der
dortigen  Verbandsbestimmnngen  lind  in  der  Kontrvle  über
deren  Einhaltung.  Die  Thatsachen,  daß  weder  Minimallohnbestimmungen, ­
  noch  diejenigen  über  Verbandsverkehr  lind
Arbeitszeit  von  Seite  der  dortigen  Verbandsmilglieder  annähernd ­
  befriedigend  eingehalten  wurden,  stimmten  hochgespannte ­
  Erwartungen  bereits  etlvas  herab.  Der  Jahresbericht
des  schweizerischen  Verbandes  über  1886  sagt  diesbezüglich:
            
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