Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

Selbst  ein  Kartell  auf  Schutz  der  Muster  wurde  abgelehnt,
trotzdem  die  Initiative  hiefiir  von  sächsischer  Seite  ausging.
Man  tröstete  die  Delegirten  damit,  die  Schweiz  besitze  nun
den  staatlichen  Musterschutz  und  man  könne  jetzt  auf  dem  Wege
des  Staatsvertrages  mit  Dentschland  zu  einem  viel  günstigeren
Gegenseitigkeitsverhältnisse  gelangen,  als  mit  Privatabmachungen. ­
  Hier  ist  mau  der  Ansicht,  das;  man  in  Sachsen  noch
einsehen  lernt,  wie  ungleich  werthvoller  für  die  dortige  Industrie
ein  Musterschutzkartell  auf  Grundlage  des  schweizerischen  Verbandsregulativs
  sein  würde,  als  der  staatliche  Musterschutz
auf  der  Basis  der  Gegenseitigkeit.
Der  allzu  bittere  Nachgeschmack  des  Mißerfolges  der
schweizerischen  Delegation  erhielt  eine  schwache  Abtönung  durch
spätere  Beschlüsse  des  sächsischen  Verbandes,  per  1.  Oktober
1887  eine  Erhöhung  des  Minimallohnes  um  10  Pfennige
eintreten  zu  lassen  und  zugleich  eine  Art  Zuschlagstaxe  für
geringste  Muster  einzuführen.  Die  Beziehungen  zwischen  beiden
Verbänden  gestalteten  sich  seither  wesentlich  kühler;  jeder  ging
selbstständig  vor,  der  schweizerische  Verband  hauptsächlich  auch
darum,  weil  die  Ueberzeugung  sich  in  ihm  stets  mehr  befestigte,
das;  die  Durchführung  der  Verbandsvorschriften  in  Sachsen
und  die  Kontrole  über  dieselbe  sehr  zu  wünschen  übrig  lasse.
Im  August  1889  trat  der  sächsische  Verband  mit  dem  Gesuche ­
  au  den  schweizerischen  Verband  heran,  im  Vereine  mit
ihm  dei;  Minimallohn  zu  erhöhen.  Die  ostschweizerische  Kalifmannschaft
  kam  in  ihrer  Versammlung  vom  2.  September
zum  einstimmigen  Beschlusse,  das  Zentralkomite  um  einen  abschlägigen ­
  Bescheid  der  Anfrage  Sachsens  anzugehen.  Der
Beschluß  wurde  damit  motivirt,  daß  der  sächsische  Verband
mit  seinem  Vorgehen  nur  einem  Drucke  der  dortigen  Produzenten ­
  weiche,  welche  eine  schnell  vorübergehende,  günstige
Geschäftslage  ausbeuten  wollen,  daß  er  aber  nach  deren  bald
erfolgenden  Veränderung  nicht  in  der  Lage  sein  werde,  die
beschlossene  Erhöhung  aufrecht  zu  halten.  Eine  bald  vorüber-
            
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