Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

Produktion.

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Jahreslöhne  beträgt,  so  würde  dies  eine  Verkaufssumme  von  etwa  13,5  Mill.  Francs
ergeben;  also  um  mindestens  lObis  11  Mill.Francs  höher  als  die  amtlichen  Angaben.
Die  Hauptabnehmer  der  belgischen  Spitzenerzeugung  sind  Paris,  New  York
und  Südamerika.  Paris  diktiert  ihr  die  Mode,  sendet  seine  Zeichnungen  und
erhält  aller  Art  Spitzen,  vornehmlich  aber  die  feinsten  Artikel.
Wollindustrie 1 ).  Diese  ist  in  Verviers  und  Umgebung  konzentriert.  Einzelne ­
  große  Fabriken  befassen  sich  sowohl  mit  dem  Waschen  und  Karbonisieren,
als  auch  mit  dem  Karden,  Spinnen,  Weben  usw.  bis  zur  Fertigstellung  der
Fabrikate.  Andere  besorgen  nur  die  einzelnen  Arbeiten  im  Lohn.
Die  rohe  Wolle  wird  entweder  direkt  in  den  Produktionsländern  oder  an
den  Auktionen  in  London,  Antwerpen,  Havre  und  Liverpool  eingekauft.
Die  Wäschereien  verarbeiten  mit  ungefähr  2200  Arbeitern  und  114  Leviathans ­
  etwa  50  bis  60  Mill.  Kilogramm  rohe  Wolle,  die  in  gewaschenem  Zustande
nach  Deutschland,  Österreich  -  Ungarn,  Rußland,  Frankreich  und  selbst  nach
Japan  gehen.
Das  Waschen  der  Wolle  erfolgt,  wie  allgemein  üblich,  in  zwei  Operationen: ­
  zunächst  Vorwaschen  mit  lauwarmem  Wasser,  wobei  die  löslichen
Schweißsalze  gewonnen  werden.  Die  Waschwässer  werden  eingedampft,  und
man  gewinnt  daraus  durch  Kalzinieren  Pottasche.  Die  zweite  Wäsche  wird
mit  Seife  und  Soda  im  Leviathan  vorgenommen.  Statt  der  Seifenwäsche  wird
in  einer  Fabrik  die  Wolle  durch  leicht  flüchtige  Lösungsmittel  (Benzin,  Naphtha),
und  zwar  nach  dem  bekannten  Verfahren  von  Maertens  entfettet.  Diese  Fabrik
arbeitet  mit  vier  Extraktionsapparaten,  die  je  2000  bis  3000  kg  Material  fassen,
so  daß  täglich  25  000  bis  30  000  kg  Wolle  gereinigt  werden.  Das  gewonnene
Fett  wird  verkauft  und  dient  zur  Lanolinfabrikation.
Ein  Hauptzweig  der  Wollindustrie  ist  die  Herstellung  der  Streichgarne.
475  Sortimente,  welche  340  000  Spinn-  und  22000  Zwirnspindeln  speisen,
erzeugen  mehr  als  13  Mill.  Kilogramm  Garne,  wovon  11,8  Mill.  Kilogramm
einfache  Garne  sind.  Von  den  Streichgarnen  werden  rund  60  Proz.  ausgeführt,
während  40  Proz.  zur  Weiterverarbeitung  im  Inlande  verbleiben.
Ein  ebenfalls  wichtiger  Zweig  der  Wollindustrie  Belgiens  ist  die  Kämmerei ­
  und  Kammgarnspinnerei.  Die  Kämmereien  verarbeiten  mit
345  Kämmaschinen,  hauptsächlich  Heilmannschen  Systems,  durchschnittlich
21  Mill.  Kilogramm  Schmutzwolle,  wovon  6  Mill.  Kilogramm  australischer,
1 3,5  Mill.  südamerikanischer  und  1,5  Mill.  europäischer  Herkunft  sind,  die  zusammen ­
  10,5  Mill.  Kilogramm  gewaschene  Wolle  ergeben.  Letztere  liefern
6,7  Mill.  Kilogramm  Kammzug  und  1,8  Mill.  Kilogramm  Kämmlinge.  Die
Kammgarnspinnereien  haben  einen  Jahresverbrauch  von  durchschnittlich  12  bis
13  Mill.  Kilogramm  Kammzug,  die  vom  Inlande  mit  4,5  Mill.  Kilogramm,  von
Frankreich  mit  7,4  Mill.  Kilogramm,  und  der  Rest  von  England  und  Deutschland
gedeckt  werden.  242000  Spinn-  und  67000  Zwirnspindeln,  von  4600  Arbeitern

r )  Nach  „Etudes  sur  la  Belgique  1913“.  Verlag  von  Misch  &  Thorn,  Brüssel-Leipzig.
            
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