Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

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Belgien.  Textilindustrie.

bedient,  liefern  jährlich  5,5  Mill.  Kilogramm  einfache  und  6,2  Mill.  Kilogramm
gezwirnte  Game.  Davon  werden  35  bis  40  Proz.  ausgeführt,  und  die  übrigen
60  bis  65  Proz.  werden  von  der  einheimischen  Industrie  absorbiert.
Rein-  und  halbwollene  Gewebe  werden  von  112  Webereien  mit  insgesamt
8448  Arbeitern  hergestellt.  Es  wird  aber  auch  ziemlich  viel  im  Lohn  gearbeitet.
Im  Bezirk  Verviers  werden  vornehmlich  Streichgarnstoffe,  wie  Möbelstoffe,
Modestoffe  für  Kleider,  Modekammgarnstoffe  für  Herrenanzüge  angefertigt.  Die
Industrie  von  Verviers  stellt  außer  den  obenerwähnten  noch  eine  große  Anzahl
anderer  Spezialitäten  her,  so  z.  B.  schwere  Mantelstoffe,  Satins,  Kaschmir-  und
Zephirstoffe,  Militärtuche,  Billardtuche,  Woll-  und  Halbwollflanelle,  Tennis-  und
andere  Phantasiestoffe  für  Herren  und  Damen,  Schale,  Plaids  und  Reisedecken,
Moquette-  und  Möbelstoffe  usw.
Loth  und  Dinant  sind  zwei  Zentren,  welche  sich  in  der  Fabrikation  leichter
Damenstoffe  spezialisiert  haben.
Flanelle  und  Moletons  werden  in  Malines,  Düffel,  Herrenthals  usw.  angefertigt. ­
  Die  Wolldeckenindustrie  ist  in  Moll,  Malines,  Beaumont,  Sterrebeek,
Sclessin  und  Louvain  zu  Hause.
Halbwollstoffe  werden  in  Renaix,  Braine  -  l’Alleud,  Saint  -  Nicolas  und
Mouscron  als  Spezialität  hergestellt.
Seidenindustrie.  Belgien  befaßt  sich  infolge  der  ungünstigen  klimatischen
Verhältnisse  nicht  mit  der  Seidenraupenzucht.  Die  Seide  wird  wohl  in  den  verschiedensten ­
  Formen  verarbeitet,  doch  hat  sich  diese  Industrie  keine  Bedeutung
zu  sichern  gewußt.
Leinenindustrie.  Die  Leinenindustrie  Belgiens  ist  von  sehr  großer  Bedeutung; ­
  sie  beschäftigt  315404  Spindeln,  während  in  Deutschlands  Leinenindustrie ­
  nur  272934  Spindeln  tätig  sind.  Die  Zahl  der  Webstühle  beträgt:
mechanische  4750,  Handstühle  8000.  Es  werden  in  der  Lys,  deren  Wasser  sich
zur  Rösterei  vorzüglich  eignet,  jährlich  130  Mill.  Kilogramm  Leinen  geröstet,
und  zwar  nicht  nur  einheimischer  Flachs,  sondern  auch  aus  Frankreich  und  den
Niederlanden  in  großen  Mengen  eingeführter.  Die  Einnahmen  der  Flachsröstereien
in  Lys  übersteigen  in  manchen  Jahren  die  Summe  von  9  Mill.  Mark.  Dieses
cremefarbige  Produkt  von  Lys,  das  sehr  geschätzt  ist,  kommt  als  „Courtrai“  in
den  Handel.  Flandern  und  Wallonen  liefern  ebenfalls  sehr  schöne  blaue  Ware,
die  jedoch  rauher  und  gröberer  Qualität  ist.  Das  Leinen  von  Courtrai  geht
größtenteils  nach  England.
Die  Spinnerei  hat  sich  in  der  Mehrzahl  in  den  zwei  Flandern  festgesetzt;
nur  wenige  Fabriken  befinden  sich  in  Brabant,  Hainaut  und  in  der  Provinz
Lüttich.  Die  Spinnereien  produzieren  alle  Arten  Garne,  vom  schönsten  Leinen
Flanderns  bis  zum  gröbsten  Werg,  von  den  Garnnummern  8  bis  110.  Ein  großer
Teil  der  Garne,  hauptsächlich  die  gröberen,  gelangen  zur  Ausfuhr.
Die  Weberei  hat  sich,  nachdem  sie  in  Courtrai  an  Boden  verlor,  in  Gent,
Alost,  Roulers,  Iseghem,  Turnhout  und  Ruysbroeck  entwickelt.  Sie  beschäftigt
            
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