Produktion.
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Florettspinnereien 1 ). Die größten Fabriken sind die Kanegafuchi- und Fuji-
spinnerei mit ungefähr 30 000 Spindeln. Die als Rohstoff gebrauchte Abfallseide
hat einen ungefähren Wert von 10,5 Mill. Mark, das Fabrikat von 16,8 Mill. Mark.
Die Produktion dürfte in den nächsten Jahren eine Vergrößerung erfahren, da
die bestehenden Fabriken ihre Betriebe zu verdoppeln gedenken. Diese Seiden
garne werden jetzt hauptsächlich nach Indien exportiert, wo sie europäischen
Fabrikaten bedeutende Konkurrenz machen.
Seidenweberei. Die Produktion während des Jahres 19H betrug 3 000 000 Stück
im Werte von 88,2 Mill. Mark. Die Anzahl der Webstühle beträgt 11 229 mecha
nische und 30783 Handwebstühle, woraus schon ersichtlich ist, daß diesem
Industriezweige zum größten Teil Hausarbeiter obliegen.
Baumwollweberei. Zum Unterschiede von der Seidenweberei wird die Baum
wollweberei lediglich in großen, ganz modern eingerichteten Fabriken betrieben.
Die Erzeugung von T-Cloth, Flanellen, Schirtings und Sheetings beträgt jährlich
ungefähr 157,5 Mill. Mark, wovon ungefähr 42,0 Mill. Mark nach China, Korea
und den Südseeinseln exportiert werden. Die hergestellten Gewebe sind grob
und lassen, was Qualität und Haltbarkeit anbelangt, viel zu wünschen übrig.
In feinen Geweben ist Japan noch vollkommen vom Auslande abhängig.
Wollwarenfabriken. Die bedeutendste Fabrik ist die Senjufabrik, die bereits
seit einer Reihe von Jahren unter direkter Aufsicht des Kriegsministeriums steht
und sämtliche Lieferungen für das Heer und die Marine besorgt. An sonstigen
Tuchen werden nur noch Flanelle und Decken erzeugt, doch genügt die Pro
duktion nicht, um den ganzen Konsum des Landes zu decken. Dieser Zweig
der japanischen Industrie liegt noch ziemlich im argen. Die Gründe sind, wie
bei besseren baumwollenen Geweben, Mangel an genügender Nachfrage. Der
Staat mit seinem Heer von Beamten und Soldaten ist der Abnehmer für ein
fache, ungemusterte, dickere Tuche, die er größtenteils in seinen eigenen Fabriken
herstellt. Bessere gemusterte Stoffe werden vom Publikum noch nicht so viel
verlangt, daß es sich lohnte, zahlreiche verschiedene Dessins herzustellen. Hinzu
treten noch die Kinderkrankheiten der jungen Industrie, die technische Fabri
kationsschwierigkeit und Mangel an seßhaften Arbeitern. So wird die Einfuhr
trotz der Zölle und der heimischen Fabrikation noch ein ergiebiges Feld bleiben,
worauf auch die jährlich noch wachsenden Einfuhrziffern schließen lassen.
Wollmusselinefabriken. Diese Industrie hat seinerzeit einen großen Aufschwung
genommen und versorgt jetzt selbst den ganzen einheimischen Bedarf. Die
geringen Einfuhren dürften nach Erhöhung des Zollsatzes ganz verschwinden.
Die Ausfuhr, die sich größtenteils auf ungebleichte Ware erstreckt, ist noch ziem
lich gering. Die Fortschritte, die die Industrie in neuerer Zeit gemacht hat,
waren schneller als die Aufnahmefähigkeit des Marktes. Die Produktion des
l ) Nach Mitteilungen aus Krefeld bemühen sich die Florettspinnereien Japans in letzter
Zeit (1916) sehr, die Schappegarne auch nach Europa und Amerika zu liefern. Die Garne sollen
aber nicht so gut sein wie die Erzeugnisse der Baseler und Lyoner Florettspinnereien.