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Kapitel II.
Die Weltportobewegung des letzten
Jahrzehnts*
Bestrebungen zur weiteren Verbilligung des internationalen
Portos sind seit längerer Zeit unablässig im Gange, und Tarif
herabsetzungen finden im Wechsel verkehr verschiedener Länder
immer von neuem statt. Das ist ein unleugbarer Beweis dafür,
dass die Portosätze des Weltpostvereins immer noch als viel zu
hoch und verkehrshinderlich empfunden werden.
In der Presse und Yerkehrsliteratur sowie in den Parla
menten und in kaufmännischen Vertretungen, bisweilen auch
bei den Postverwaltungen selbst, sind die Bemühungen um neue
Postvereine und neue Herabsetzungen des Weltportos in der
letzten Zeit auffallend rege geworden. Das gilt insbesondere
auch von Deutschland, wo eine mitteleuropäische Postunion oder
vereinzelte Postvereine mit Nachbarländern, Ermässigung des
Weltpostkarten- und Drucksachenportos bis auf die Normalsätze
des Weltpostvereins (10 und 5 Centimes, d. h. 8 und 4 Pf.)
und eine allgemeine Umwandlung des Inlandsportos zum Auslands
porto mehrfach gefordert wurden. Bisher ist jedoch bloss der
Inlandstarif für den Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten
(vom 1. Mai 1899 ab) sowie zahlreichen deutschen Postämtern im
Auslande und für den mit dem Grossherzogtum Luxemburg (vom
1. Oktober 1902 ab) durchgesetzt worden. 1 ) *
') Einige nähere Angaben über diese Bestrebungen der letzten Zeit
dürften hier am Platze sein.
Am 29. Januar 1897 forderte der nationalliberale Abgeordnete
-Hasse im Reichstage im Hinblick auf den „unvermeidlich kommenden
mitteleuropäischen Zollverein“ als Vorarbeit dafür ein „mitteleuropäisches
einheitliches Verkehrsgebiet“, insbesondere Anschluss der Schweiz