Full text : Die Textilindustrie sämtlicher Staaten

G68

Australischer  Bund.

decken,  anderenteils  der  Mangel  an  Vertrauen  auf  die  Stetigkeit  des  Geschäftes
seitens  der  britischen  Käufer.
Auch  die  Franzosen  waren  zu  Anfang  der  Saison  zurückhaltend  und
gingen  eigentlich  nur  dann  ins  Zeug,  wenn  es  sich  um  besonders  feine  Wollen
handelte.  Was  sie  anfangs  versäumten,  holten  sie  indessen  in  der  zweiten  Hälfte
des  Jahres  nach.
Anders  war  es  mit  den  Deutschen.  AVohl  ließen  auch  sie  sich  zeitweilig
durch  den  Kriegslärm  abschrecken,  doch  war  das  nur  von  kurzer  Dauer.  Jedenfalls ­
  haben  die  australischen  Wollproduzenten  einen  großen  Teil  der  guten  Erlöse ­
  ihnen  zu  verdanken.
Viel  Aufhebens,  das  gar  nicht  im  Verhältnis  zu  ihrem  Umfange  steht,
wird  in  Australien  stets  von  den  amerikanischen  Käufen  gemacht.  Wie  die
Tabelle  ausweist,  umfaßten  sie  während  des  Berichtsjahres  65250  Ballen  oder
3  v.  H.  der  gesamten  Verkäufe.  Allerdings  besteht  diese  Menge  nur  aus  feinen
und  feinsten  Wollen,  für  die  man,  was  für  die  anderen  Käufer  gerade  nichtangenehm
  ist,  oft  Phantasiepreise  zahlt.
Ähnlich  ist  es  mit  Japan,  das  .25707  Ballen  nahm.  Bisher  bevorzugten
seine  Käufer  gute  gewaschene  Merinowollen,  während  sie  sich  selten  für  Schweißwollen ­
  interessierten.  Im  verflossenen  Jahre  war  es  zum  ersten  Male,  daß  sich
ihre  ganze  Aufmerksamkeit  auf  beste  Merinoschweißwollen  konzentrierte.  Diese
neue  Konkurrenz  machte  es  den  kontinentalen  Käufern  noch  schwerer,  ihren
Bedarf  zu  decken,  um  so  mehr,  als  sie  auch  viel  bessere  Limite  hatte  als  die
letzteren.
Die  Käufe  der  heimischen  Industrie  sind  zum  Teil  für  die  beiden  australischen ­
  Kämmereien  bestimmt,  die  den  daraus  gewonnenen  Zug  fast  ausschließlich ­
  nach  Japan  verschiffen.  Die  Industrie  wird  seitens  der  Bundesregierung
durch  eine  Exportprämie  im  Gesamtbeträge  von  1020000  Mark  unterstützt,  von
der  sie  bis  zum  Ende  Juni  1912  für  ausgeführte  2499  t  Zug  641845  Mark  erhoben
hatte.  Mit  Hilfe  dieses  Zuschusses  sind  die  erwähnten  Kämmereien  in  letzter
Zeit  in  der  Lage  gewesen,  jeder  Konkurrenz  die  Spitze  zu  bieten.  Ob  sie  nach
Einstellung  der  Prämienzahlungen  das  Geschäft  behalten  werden,  erscheint  Kennern
der  Verhältnisse  fraglich.  Nach  ihnen  wird  die  ganze  Sache  schließlich  darauf
hinauskommen,  daß  Australien  den  Japanern  durch  Belastung  mit  1020000  Mark
für  eine  Zeitlang  billigen  Kammzug  verschafft  hat.

Produktion  der  Textilindustrie  des  Australischen  Bundes.
Bedeutend  ist  nur  die  Wollindustrie  und  die  Hutfabrikation,  die  den  größten
Teil  des  starken  inländischen  Bedarfes  deckt.  In  den  letzten  Jahren  wurden
auch  Wollwäschereien  und  Wollkämmereien  errichtet,  die  für  die  inländischen
Fabriken  arbeiten  und  außerdem  gewaschene  Wollen  sowie  Kammzug  ausführen.
            
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