Full text: Methodische Einführung in die allgemeine Wirtschaftsgeographie

I. Abschnitt. 
§ 1. Unterschied zwischen der Wirtschaftsgeographie 
und der Nationalökonomie. 
Wer mit Erfolg wirtschaftsgeographische Studien treiben, vor 
allem aber wer solche als Kaufmann, Unternehmer oder Beamter 
praktisch verwerten will, sollte sich zunächst darüber klar werden, 
inwieweit sich seine Arbeit von derjenigen des Nationalökonomen 
unterscheidet. Lassen sich auch die Ergebnisse der Staatswissenschaft 
und der Erdkunde nicht streng voneinander sondern, so zeigt jede 
sorgfältige Ueberlegung, daß es gerade für den Praktiker von Vorteil 
ist, wirtschaftliche Fragen von beiden Gesichtspunkten aus, dem volks 
wirtschaftlichen wie dem geographischen, gesondert zu erwägen. Er 
wird dann die Abhängigkeit der ihn interessierenden Dinge von natür 
lichen wie von menschlichen Einflüssen leichter auseinanderhalten. 
Diese Sonderung der letzten Ursachen alles wirtschaftlichen Geschehens 
vermag ihm weiterhin das Urteil über dessen künftige Entwicklung 
außerordentlich zu erleichtern. Dies Urteil aber ist es, daß jeder 
denkende Geschäftsmann zu gewinnen trachtet und in dessen Besitz 
auch der Nationalökonom und der Geograph, ja letzten Endes jeder 
Gebildete leichter in die mannigfachen Grundfragen einzudringen ver 
mag, vor die uns das vielgestaltige Wirtschaftsleben der Neuzeit stellt. 
Der Arbeitsstoff beider Wissenschaften ist freilich vielfach 
der gleiche. Auch die Wirtschaftsgeographie bedarf zu ihren Unter 
suchungen klar bestimmter Größen, die ihr durch die Statistik über 
mittelt werden. Nur ihre Art der Verarbeitung dieser Zahlen ist 
eine andere. Jedenfalls müssen wir festhalten, daß die bloße Mit 
teilung und Zusammenstellung statistischer Ergebnisse, wie sie sich 
in zahlreichen geographischen Werken findet, noch lange keine geo 
graphische Arbeitsleistung bedeutet. Gleichwohl hat sie dazu geführt, 
daß der wirtschaftlichen Betätigung unserer Wissenschaft von anderer 
Seite oft mit einem gewissen Zweifel begegnet wird. Um der „öko 
nomischen Erdkunde“ die Beachtung zu sichern, die ihr ebenso ge 
bührt wie der „Nationalökonomie“, muß sie folgerichtig eine Ver 
arbeitung und Umgestaltung des ziffermäßig festgelegten Rohstoffs 
nach der nur ihr eigenen Arbeitsweise und unter Zugrundelegung 
der nur von ihr vorwiegend benutzten Maßstäbe vornehmen. Erst 
auf diesem Wege vermag sie den Vorwürfen wirksam zu begegnen, 
die ihr, nicht immer ohne Grund, von anderer Seite, namentlich von 
Vertretern der Staatswissenschaften, gemacht worden sind. Sie be 
ziehen sich keineswegs nur auf die Behandlung des Zahlenmaterials, 
Dove, Allgemeine "Wirtschaftsgeographie. 1
	        
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