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weibliche Personen dieser Berufszweige gegenüber. Die große
Gruppe von weiblichen Personen, die im Gewerbe und Handel nur
nebenbei tätig ist und sich in der Hauptsache der Prostitution ergibt,
ist offenbar in Arnsberg äußerst gering, das beweisen die niedrigen
Ziffern über die venerischen Erkrankungen der weiblichen Arbeiterinnen
und Handelsbeflissenen. Die geheime Prostitution hat
in Arnsberg im Verhältnis zu Berlin nur einen minimalen Umfang.
Es - hängt auf das engste die Verbreitung der Geschlechtskrankheiten
von der Ausdehnung der Prostitution ab. Nach den hier
hervorgehobenen Ziffern werden die im Handel und in der Industrie
beschäftigten Mädchen und Frauen Berlins sechsmal so häufig von
Geschlechtskrankheiten heimgesucht als die Frauen der gleichen
Berufsklassen Arnsbergs. Diese Ziffern lassen natürlich nicht exakt
den Umfang der geheimen Prostitution in beiden Bezirken erkennen,
sie offenbaren aber entschieden das riesige Vorherrschen der geheimen
Prostitution in Berlin im Verhältnis zum Regierungsbezirk
Arnsberg.
Die Prostitution tritt in den Distrikten mit kapitalistischer Produktion
nicht überall und namentlich nicht in dem gleichen Stärkegrade
auf. Eine Konzentration verschiedener sozialer Klassenelemente
an einem Orte ist die Voraussetzung für die Entstehung
der Prostitution. Die konzentrierte Bevölkerung der Städte ist
daher vor allem der Nährboden der Prostitution. Städte mit einem
einheitlichen sozialen Charakter jedoch, Städte, die nicht mit den
verschiedensten Klassenelementen durchsetzt sind, halten die Prostitution
in sehr engen Grenzen, z. B. ausgesprochene Fabrikstädte
mit nur geringen Prozentsätzen von Angehörigen der großbürgerlichen
Klassen, der Mittelklassen, der liberalen Berufsartcn. Die
Städte mit umfassenden unverheirateten, zahlungsfähigen männlichen
Bcvölkerungsgruppcn, die nach ihren Klasscnanschauungen
nicht mit den eigenen Klassengenossinnen außerehelichen Geschlechtsverkehr
pflegen dürfen und vor dem Aufstieg in eine bestimmte
soziale Stellung keine „standesgemäße" Ehe eingehen können, steigern
die Nachfrage nach käuflichen Frauen in hohem Grade.
Die untersten, wirtschaftlich und sozial am schlechtesten gestellten
weiblichen Bevölkerungsklassen der Stadt, die namentlich keinen
Rückhalt mehr an einer festgefügten, wirtschaftlich leistungsfähigen
Familie haben, verfallen am ehesten der Prostitution. Das sind
die elternlosen, ganz jungen Mädchen ohne jede wirtschaftliche Ausbildung,
die Mädchen aus verwahrlosten und ökononiisch brüchigen
Familien, die alleinstehenden, von Hungerlöhncn dahinvegetierenden
erwachsenen Proletarierinncn. Diese weiblichen proletarischen Bevölkerungselemente
gleiten namentlich dann leicht und schnell, in
den Sumpf der Prostitution herab, wenn sic in sehr enge Berührung
mit den oberen sozialen Klassen kommen, z. B. die Dienstmädchen
unserer Großstädte. Diese sind in den meisten Fällen vollständig
von ihrem elterlichen Heim getrennt, sie entbehren in der