Contents : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WANDERÜNGSVERLAUF  UND  GETROFFENE  MASSNAHMEN.  173
Über  ein  Jahr  haben  die  aus  dem  Kreise  der  Flüchtlinge ­
  hervorgegangenen  Siedelungsgesellschaften,  der  Hilfsbund,
  der  Beirat  und  die  Abteilung  für  Elsaß-Lothringen
im  Eeichsministerium  des  Innern,  einen  Vorstoß  nach  dem
andern  gegen  das  Beiclisfinanzmin  1  sterium  unternommen,
um  eine  Lösung  des  Siedelungsproblems  im  Sinne  einer
dieser  beiden  Eichtungen  durchzusetzen.  Durch  Gründung
der  gemeinnützigen  zentralen  Siedelungsgesellschaft  „Neue
Heimat“  und  Bewilligung  größerer  Mittel  an  diese  durch
das  Eeich  wurde  endlich  im  Juli  1920  sehr  zu  Eecht  der
zweite  Weg  beschritten.
Die  vertriebenen  Elsaß-Lothringer  verteilen  sich  über
das  ganze  Eeich.  Eine  Zentralinstanz  muß  sich  ein  Bild
darüber  verschaffen,  in  welchen  Gegenden  die  Flüchtlinge
am  schwersten  unter  der  Wohnungsnot  leiden,  und  muß
dort  in  besonderem  Maße  helfen.  Fände  eine  Verteilung
von  Baukostenzuschüssen  zur  Verwendung  für  die  Vertriebenen ­
  an  die  Länder  und  Gemeinden  rein  prozentual
nach  der  Zahl  der  dort  zugezogenen  Flüchtlinge  statt,  so
wäre  es  leicht  möglich,  daß'  Gemeinden  mit  w$it  besseren
Wohn  ungsVerhältnissen  gegenüber  solchen  mit  den  allerschlechtesten ­
  in  völlig  unzweckmäßiger  Weise  einen  höheren'
Anteil  erhalten  würden.  Als  Zweites,  noch  Wichtigeres,
kommt  hinzu,  daß  eine  solche  Siedelungszentrale  in  der
Lage  ist,  die  Fehler,  die  bei  der  Übernahme  der  Vertrie*-benen
  begangen  worden  sind,  bis  zu  einem  gewissen  Grad
zu  korrigieren.  Die  Zentralstelle  ist  in  der  Lage,  sich
einen  Überblick  darüber  zu  verschaffen,  in  welcher  Gegend
und  an  welchem  Ort  die  Entwicklungsmöglichkeiten  für
eine  Siedelung  vertriebener  Elsaß-Lothringer  die  besten
sind,  und  sie  kann  dafür  sorgen,  daß  sich 1  eine  Verschiebung
von  Flüchtlingen  nach  dieser  Stelle  hin  vollzieht.  Besteht
keine  solche  Zentrale,  so  werden  sich  z.  B.  die  vertriebenen
Landwirte  in  den  Ländern  und  den  Gemeinden  neu  ankaufen, ­
  in  die  sie  verwandtschaftliche  Beziehungen  oder
aber  der  Zufall  verschlagen  hat.  Eine  Zentrale  macht  ausfindig, ­
  daß  in  der  Nähe  eines  ehemaligen  Schießplatzes
ausgezeichnete  und  billige  Ansiedelungsmöglichkeit  für
            
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