Object: Tote und lebendige Wissenschaft

152 
sie eine Schlußkette zergliedert, nicht aber ursächlich erklären, 
wie z. B. die Physik tut, wenn sie die mechanische Fallbe 
wegung und Mondbewegung berechnet. Denn das Wesen der 
logischen Zusammenhänge wird nicht gefunden, indem man 
etwa auf äußerliche Abfolge in der Assoziationsmechanik der 
Vorstellungen achtet, sondern indem man auf ihren Sinngehalt 
deutend und verstehend eingeht; darum ist der zweite Teil 
des Satzes „. . . und dadurch (nämlich durch das deutende 
Verstehen) in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ur 
sächlich erklären will"i), ein unbegreiflicher Widerspruch. 
Es ist klar, daß durch ein deutendes Verstehen, durch Eingehen 
auf den Sinngehalt eines Gegenstandes, jede Ursächlichkeit 
grundsätzlich ausgeschlossen ist! Denn „Ursächlichkeit" 
geht durchaus bloß auf die äußere, auf die mechanische 
Aufeinanderfolge der Erscheinungen, sie besteht, genauer ge 
sagt, in der Gesamtheit der Antezedentien, auf welche eine 
Erscheinung (als zeitliches Konsequens) folgt; während deuten 
des Verstehen auf ganz anderen, auf inneren Kategorien be 
ruht, indem es, wie gesagt, den sinnvollen Zusammen 
hang erschließt. Darum nennt man, wie männiglich bekannt, 
die Logik keine ursächliche Wissenschaft, was etwa die Physik, 
sondern eine „Norm-Wissenschaft", denn sie hat es mit dem Be 
griffe des richtigen Denkens, mit dem sinnvollen 
Gehalt, nicht mit der kausal-mechanischen Verknüpfung der 
Gedanken zu tun?). Wer über die Anfangsgründe der Logik 
und der philosophischen Verfahrenlehre hinaus ist, muß es 
D Der Sperrdruck stammt von mir. Spann. 
2 ) Ein anderes Beispiel: Was zwischen zwei Fechtern vorgeht, ist 
keinem Sinngehalte nach als „Kampf" zu verstehen, der äußeren mecha 
nischen Kausalität nach dagegen etwa als „Energieumsah der Armmusku 
latur", als „beschleunigte Bewegung von Massen" (der eisernen Schwerter), 
als „Elastizität", „Oxydation" (der sprühenden Funken) u. dgl. zu be 
stimmen. — Beide Betrachtungsweisen liegen also 
methodologisch auf anderen Ebenen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.