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sie eine Schlußkette zergliedert, nicht aber ursächlich erklären,
wie z. B. die Physik tut, wenn sie die mechanische Fallbe
wegung und Mondbewegung berechnet. Denn das Wesen der
logischen Zusammenhänge wird nicht gefunden, indem man
etwa auf äußerliche Abfolge in der Assoziationsmechanik der
Vorstellungen achtet, sondern indem man auf ihren Sinngehalt
deutend und verstehend eingeht; darum ist der zweite Teil
des Satzes „. . . und dadurch (nämlich durch das deutende
Verstehen) in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ur
sächlich erklären will"i), ein unbegreiflicher Widerspruch.
Es ist klar, daß durch ein deutendes Verstehen, durch Eingehen
auf den Sinngehalt eines Gegenstandes, jede Ursächlichkeit
grundsätzlich ausgeschlossen ist! Denn „Ursächlichkeit"
geht durchaus bloß auf die äußere, auf die mechanische
Aufeinanderfolge der Erscheinungen, sie besteht, genauer ge
sagt, in der Gesamtheit der Antezedentien, auf welche eine
Erscheinung (als zeitliches Konsequens) folgt; während deuten
des Verstehen auf ganz anderen, auf inneren Kategorien be
ruht, indem es, wie gesagt, den sinnvollen Zusammen
hang erschließt. Darum nennt man, wie männiglich bekannt,
die Logik keine ursächliche Wissenschaft, was etwa die Physik,
sondern eine „Norm-Wissenschaft", denn sie hat es mit dem Be
griffe des richtigen Denkens, mit dem sinnvollen
Gehalt, nicht mit der kausal-mechanischen Verknüpfung der
Gedanken zu tun?). Wer über die Anfangsgründe der Logik
und der philosophischen Verfahrenlehre hinaus ist, muß es
D Der Sperrdruck stammt von mir. Spann.
2 ) Ein anderes Beispiel: Was zwischen zwei Fechtern vorgeht, ist
keinem Sinngehalte nach als „Kampf" zu verstehen, der äußeren mecha
nischen Kausalität nach dagegen etwa als „Energieumsah der Armmusku
latur", als „beschleunigte Bewegung von Massen" (der eisernen Schwerter),
als „Elastizität", „Oxydation" (der sprühenden Funken) u. dgl. zu be
stimmen. — Beide Betrachtungsweisen liegen also
methodologisch auf anderen Ebenen.