Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

währte  ungemein  lange,  bis  sich  Deutschland  von  den  Folgen  des  Dreißig,
jährigen  Krieges  zu  erholen  vermochte.  Die  spanische  Sprache  würde  gegenwärtig ­
  von  150  Millionen  und  nicht  von  50  Millionen  Menschen  gesprochen
werden,  wären  nicht  Spanien  und  seine  frühern  amerikanischen  Kolonien  ungefähr ­
  60  Jahre  lang  von  fast  beständigen  innern  und  auswärtigen  Kriegen
heimgesucht  worden.  In  China  gingen  während  des  14  Jahre  dauernden
Taipingaufstandes  Millionen  von  Menschen  zu  Grunde,  und  ganze  Regionen
des  Landes  wurden  entvölkert.  Auch  in  unsern  Tagen  werden  die  zunehmende ­
  Rivalität  zwischen  den  verschiedenen  Nationen  und  die  immer  gesteigerten ­
  Rüstungen  vermuthlich  zu  furchtbaren  Kriegen  führen,  während  die
Ueberhandnahme  der  socialen  Zerrissenheit  im  Innern  der  Länder  blutige  Aufstände ­
  und  allerlei  Katastrophen  befürchten  lassen.
So  muß  man  denn  annehmen,  daß  auch  in  Zukunft  Ereignisse  bevorstehen, ­
  welche  eine  beträchtliche  Bevölkerungsabnahme  gewärtigen  lasten.  Und
ebenso  darf  man  vermuthen,  daß  die  starke  Geburtenanzahl,  welche  gegenwärtig ­
  bei  den  meisten  lebenskräftigen  Völkern  anzutreffen  ist,  wieder  sinken
wird.  Wir  haben  schon  auf  das  Beispiel  der  alten  Griechen  hingewiesen,
die,  nachdem  sie  sich  einer  ungläubigen  Philosophie  ergeben  hatten,  die  Zahl
ihrer  Kinder  auf  eines  oder  zwei  beschränkten.  Bon  ihnen  nahmen  die  römischen ­
  Eroberer  die  gleichen  Übeln  Gewohnheiten  an,  welche  die  Bolkszahl  der
herrschenden  Nation  des  gewaltigen  Reiches  verminderten  und  seine  Macht
untergraben  halfen.  Wenn  wir  auf  die  Zustände  unserer  Tage  blicken,  so
begegnen  wir  in  verschiedenen  Ländern  der  gleichen  Erscheinung.
Die  das  Familienleben  untergrabenden  Ausschweifungen  eines  großen
Theils  der  mohammedanischen  Welt  haben  diese  einst  den  Christen  so  gefährlichen ­
  Völker  in  hilflose  Nationen  verwandelt.  In  Frankreich  nimmt  die
Geburtenzahl  mehr  lind  mehr  ab,  seitdem  weite  Kreise  des  Volkes  den  Glauben
verloren  haben.  Das  19.  Jahrhundert  weist  hier  von  Jahrzehnt  zu  Jahrzehnt ­
  in  nur  zu  beredter  Sprache  ein  beständiges  Sinken  der  einschlägigen
Ziffern  auf.  Es  entfielen  vom  2.  Jahrzehnt  ab  in  den  verschiedenen  Jahrzehnten ­
  der  Reihe  nach  auf  1000  Einwohner  die  folgenden  Geburtenzahlen:
30,8;  28,9;  27,4;  26,7;  25,4;  24.  Wiewenig  es  in  dieser  Hinsicht  auf
den  Volksstamm  oder  das  Land  und  wieviel  es  vielmehr  auf  die  Religiosität
und  die  Sittlichkeit  ankommt 1 ,  ist  daraus  ersichtlich,  daß  unter  den  Nach-1

  So  sehr  man  auch  den  Einfluß  des  religiösen  und  des  sittlichen  Lebens  auf
diesem  Gebiete  anerkennen  muß,  kann  doch  die  directe  Einwirkung  der  wirtschaftlichen
Verhältnisse,  der  Gesetzgebung  und  des  Volkscharakters  auf  die  Populationsentwicklung
nicht  gänzlich  in  Abrede  gestellt  werden.  Frankreich,  welches  für  die  Beobachtung  der
Phänomene,  die  zu  der  Zunahme  und  der  Abnahme  der  Bevölkerungszahl  in  Beziehung
stehen,  ein  so  reiches  Feld  bietet,  liefert  hinreichende  Beweise  für  diese  Behauptung.
            
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