Full text : Untersuchungen über das Versicherungswesen in Deutschland

S.  Wertheimer,  Feuerversicherung  und  andere  Sachschadenversicherungszweige.  97

Ansporn  für  alle  menschliche  Tätigkeit  ist,  so  verhilft  sie  auch  im  Versicherungswesen ­
  dazu,  die  Einrichtungen  mit  der  größten  Tatkraft  und
Verstandesschärfe  auszubauen.  Anerkanntermaßen  haben  gerade  die  aus
dem  Gewinnprinzip  beruhenden  Aktiengesellschaften  dem  Fortschritt  auf
dem  Gebiete  des  Feuerversicherungswesens  die  Wege  geebnet.  (Liebig,
das  Feuerversicherungswesen  S.  62/64.)  Andererseits  bewirkt  die  Erwartung ­
  eines  Gewinnes  auch  das  Entstehen  einer  gesunden  Konkurrenz,
ist  also  selbst  der  beste  Regulator  der  Prämienpolitik.  Wären
die  auf  dem  Erwerbsprinzip  beruhenden  Gesellschaften  nie  vorhanden
gewesen  und  heute  nicht  vorhanden,  wer  weiß,  ob  die  Versicherungsnehmer
sich  der  gleich  guten  und  zweckmäßigen  Einrichtungen  erfreuen  könnten.
Gewinne  des  einen  Kontrahenten  gereichen  im  wirtschaftlichen  Leben
auch  dem  anderen  Teil  oft  zum  Vorteile,  ebenso  wie  gut  besoldete
Angestellte  dem  Arbeitgeber  oft  mehr  Nutzen  bringen  als  gering  entlohnte. ­

Eine  Betrachtung  über  die  finanzielle  Bedeutung  des  Feuerversicherungswesens ­
  wäre  nicht  vollständig,  wenn  sie  nicht  auch  die  Beziehungen ­
  zum  Ausland  in  den  Kreis  der  Erörterung  zöge.  Allerdings
sind  einer  derartigen  Untersuchung  verhältnisniäßig  enge  Grenzen  gezogen.
Wir  besitzen  keine  Möglichkeit  auch  nur  init  annähernder  Genauigkeit
festzustellen,  wie  sozusagen  die  internationale  Bilanz  des  Feuerversicherungswesens ­
  für  Deutschland  abschließt.  Hierzu  fehlt  uns  die  Kenntnis  der
Rückversicherungs-  bzw.  Retrozessionsprämie,  welche  von  den  in  Deutschland ­
  direkt  und  indirekt  arbeitenden  Gesellschaften  an  ausländische  Gesellschaften ­
  entrichtet  werden  und  die  Höhe  der  Schadenzahlungen,  welche
von  ausländischen  Rückversicherern  bzw.  Retrozefsionären  an  deutsche
Gesellschaften  vergütet  werden.  Es  fehlt  uns  aber  auch  jeder  Anhaltspunkt ­
  für  die  Teilung  des  Bestandes  der  deutschen  reinen  Rückversicherungstzesellschaften
  in  in-  und  ausländisches  Geschäft.  Wenn  wir  daher  auch
die  eigentlich  interessante  Frage,  ob  Deutschland  durch  seine  Feuerversicherungsbeziehungen ­
  zum  Ausland  Gewinn  oder  Verlust  hat,  nicht
einmal  schätzungsweise  beantworten  können,  so  können  wir  doch  immerhin ­
  einige  Feststellungen  bringen,  die  nicht  ohne  Bedeutung  sind.  Wir
können  sozusagen  den  Bruttoverlauf  des  ausländischen  Geschäfts  der  in
Deutschland  direkt  arbeitenden  Gesellschaften  verfolgen  und  wir  können
hie  gleiche  Beobachtung  für  das  deutsche  Geschäft  der  ausländischen  Gesellschaften ­
  anstellen.  Bei  Bewertung  der  Ergebnisse  dürfen  wir  uns  allerdings
  darüber  nicht  im  unklaren  sein,  daß  es  sich  um  ein  mehr  oder
Schriften  137.  IV.  7
            
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