Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Die  Organisation  des  britischen  Weltreichs.

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fremde  Einfuhr  verdrängen,  sie  würden  den  bestehenden  kolonialen
Industrien  das  Leben  recht  sauer  machen  und  die  Entstehung  neuer
Industrien  erschweren.  Die  Erfüllung  des  Programms  des  kolonialen ­
  Nationalismus  —  möglichst  schnelle  Erschließung  der  industriellen ­
  Hilfsquellen  —  würde  aussichtslos  werden.  Die  Kolonien
wären  gezwungen,  an  Stelle  einer  künstlichen  Entwicklung  der
Industrie  mit  einer  natürlichen  vorliebzunehmen.  Die  kulturellen
Bestrebungen,  die  sie  zurzeit  durch  Industrialisierung  verfolgen,
würden  aufgehalten;  es  könnte  sogar  ihre  finanzielle  Unabhängigkeit
gefährdet  werden.  Man  kann  daher  sagen,  daß  ein  Zollverein  mit
innerem  Freihandel  zurzeit  ausgeschlossen  ist.  Es  ist  nur  denkbar,
daß  eine  Anzahl  Produkte,  die  gegenwärtig  in  den  verschiedenen  Gebieten ­
  zollpflichtig  sind,  zollfrei  gemacht  werden,  wenn  es  sich  um
Reichserzeugnisse  handelt.
Die  Überzeugung,  daß  ein  Reichszollverein,  der  auf  Beseitigung
der  kolonialen  Zölle  beruht,  unmöglich  ist,  hat  schon  im  Jahre  1887
zu  einem  greifbaren  Vorschlag  der  engeren  Reichsverbindung  geführt; ­
  es  ist  das  der  oft  erwähnte  Griffith-Hofmeyr’sche  Plan.  Nach
demselben  sollte  an  der  Tarifhoheit  der  Einzelstaaten,  die  dem  britischen ­
  Reiche  angehören,  in  keiner  Weise  gerüttelt  werden.  Es
sollte  keine  Aufhebung  irgendwelcher  Zölle  stattfinden.  Nur  sollte
auf  alle  reichsfremden  Waren  ein  Zuschlagszoll  von  2  o/„  beim  Eingang ­
  in  das  britische  Reich  gelegt  werden;  der  Ertrag  dieses  Zolles,
der  auf  7  Mill.  £  geschätzt  wurde,  sollte  der  Reichsregierung  für
Reichsverteidigungszwecke  zur  Verfügung  stehen.  Die  Tochterstaaten ­
  sollten  also  eine  Besteuerung  von  2  o/o  der  reichsfremden
Einfuhr  zugunsten  des  Mutterlandes  bewilligen,  das  über  deren  Verausgabung ­
  verfügen  sollte.
So  leicht  dieser  Plan  in  den  meisten  Kolonien  verwirklicht  werden
könnte,  so  schwierig  wäre  seine  Einführung  im  Mutterlande  und  in
den  Kronkolonien  gewesen.  Eine  Politik  der  Zuschlagszölle  ist  nur
möglich,  wo  Zölle  bestehen.  Da  das  Mutterland  und  die  Kronkolonien ­
  Freihandel  hatten,  so  wäre  eine  Änderung  ihrer  Handelspolitik
nötig  gewesen.  Es  hätte  das  eine  Umwälzung  bedeutet,  die  im  Verhältnis ­
  zu  den  handelspolitischen  wie  den  finanziellen  Vorteilen,  die
der  Plan  versprach,  kaum  zu  rechtfertigen  war.
Der  Gedanke  einer  unterschiedlichen  Behandlung  reichsfremder
und  reichserzeugter  Waren  ist  indes  nicht  mehr  von  der  Bildfläche
            
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