Full text : Grundfragen der englischen Volkswirtschaft

Das  englische  Agrarwesen.

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seit  1901  mit  mehr  Erfolg  zur  Gründung  dezentralisierter  Genossenschaften ­
  übergegangen,  die  namentlich  die  Handelsgeschäfte
der  angeschlossenen  Mitglieder  besorgen  und  sie  auf  dem  Markte
vertreten.  So  gering  diese  Anfänge  auch  im  Vergleich  zu  anderen
Ländern  noch  sind,  so  sehen  wir  doch  einen  regen  Fortschritt,  wenn
wir  bedenken,  daß  es  1901  erst  12,  1906  aber  schon  134  landwirtschaftliche ­
  Genossenschaften  gab.
Damit  sind  wir  mit  unseren  Ausführungen  zu  Ende.  Resümieren
wir  kurz  die  Hauptpunkte,  so  sehen  wir,  daß  die  englische  Landwirtschaft, ­
  die  sich  der  Aufhebung  der  Getreidezölle  1846  bereits
erfolgreich  angepaßt  hatte,  durch  die  überseeische  Konkurrenz  der
siebziger  Jahre,  die  sie  besonders  schwer  traf,  unter  anfänglichen
großen  Verlusten  namentlich  der  Großgrundbesitzer  zu  einer  starken
Einschränkung  des  Getreidebaues  gezwungen  wurde.  Heute  ist  aber
durch  die  Ausdehnung  der  Viehzucht  eine  Anpassung  an  die  veränderten ­
  Verhältnisse  erfolgt,  so  daß  die  agrarische  Depression  in
kurzem  gänzlich  überwunden  sein  dürfte,  namentlich  wenn  es  erst
gelungen  sein  wird,  den  englischen  Kleinbetrieb  und  Bauernstand
neu  zu  beleben.
Es  liegt  nun  überaus  nahe  der  Vergleich  mit  den  deutschen  Verhältnissen, ­
  und  es  wäre  sehr  verlockend  auf  die  Analogien  einzugehen, ­
  die  in  vielen  Fällen  einen  vollkommenen  Parallelismus  bieten.
Denn  bis  zu  einem  gewissen  Grade  bewegt  sich  die  wirtschaftliche
Entwicklung  Deutschlands  hinter  der  früheren  englischen  immer  in
einem  gewissen  Abstand  her.  England  erlebte  sein  merkantilistisches
Zeitalter,  als  Deutschland  kaum  erst  aus  der  Naturalwirtschaft  erwachte, ­
  trat  mehrere  Menschenalter  früher  in  die  modern-kapitalistisch-technische ­
  Wirtschaft  ein  und  stand  bereits  in  seiner  weltwirtschaftlichen ­
  Periode,  als  in  Deutschland  im  ersten  Drittel  des
19.  Jahrhunderts  die  Territorialwirtschaften  erst  im  Zollverein  zu
einer  einheitlichen  Volkswirtschaft  zusammengefaßt  wurden.
Die  letzte  deutsche  Berufszählung  mit  ihrer  Konstatierung,  daß
der  Schwerpunkt  der  erwerbenden  Bevölkerung  bereits  zu  etwa  drei
Vierteln  in  Handel  und  Industrie  liegt,  entspricht  ungefähr  dem,  was
in  England  bereits  vor  50  Jahren  der  Fall  war.  Diese  75  o/o  deutscher
Gewerbetreibender  produzieren  aber  überwiegend  für  den  Export.
Indem  wir  so  unsere  Wirtschaft  immer  stärker  in  den  Welthandel
verflechten,  wird  es  immer  fraglicher,  ob  es  auf  die  Dauer  möglich
            
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