Full text : Die Einrichtungen der preußischen Landkreise auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft

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Aber  selbst  in  den  Kreisen,  die  so  gut  wie  ausschließlich
landwirtschaftliches  Gepräge  tragen,  bleibt  natürlich
die  Tatsache  bestehen,  daß  zahlreiche  Lebensmittel  und  Futtermittel ­
  im  Kreise  nicht  hervorgebracht  werden  und  von  auswärts
beschafft  und  verteilt  werden  müssen.  Endlich  die  große  Aufgabe ­
  der  Erfassung  der  im  Kreise  selbst  erzeugten  Lebensmittel: ­
  sie  hat  sich  im  Kriege  immer  mehr  als  ein  Arbeitsfeld  erwiesen, ­
  das  nicht  weniger  dornenvoll  ist  als  das  der  Versorgung
und  Verteilung.  Das  Herausholen  der  Erzeugnisse  aus  dem
Kreise,  das  ständige  Drücken  auf  den  Landwirt,  das  schrittweise
erfolgende  Herabsetzen  der  ihm  verbleibenden  Mengen,  die  Überwachung ­
  der  ganzen  landwirtschaftlichen  Betätigung,  die  Nachprüfung ­
  der  gemachten  Angaben  und  der  vorhandenen  Vorräte,
das  alles  sind  Aufgaben,  deren  ünerfreulichkeit  und  Schwierigkeit
auch  dem  Unbeteiligten  verständlich  sein  müssen.
Es  ist  vor  kurzem  von  hervorragender  landwirtschaftlicher
Seite  gesagt  worden,  es  liege  ein  ungeheurer  Anreiz  für  den
Landrat  darin,  die  Bewirtschaftung  behördlich  durchzuführen  und
dann  sagen  zu  können,  daß  er  die  Aufgabe  tadellos  bewältigen
könne  und  das  ganze  Wirtschaftsgebiet  von  der  einen  Stelle  aus
beherrsche.  Dieser  Auffassung  gegenüber  wird  betont  werden
dürfen,  daß  die  Landräte  wohl  durchweg  an  der  Kriegswirtschaft,
an  den  behördlichen  Eingriffen  in  das  Wirtschaftsleben,  wenig
Freude  haben  und  sie  je  eher  desto  lieber  fahren  lassen  würden.
Solange  freilich  das  System  besteht,  solange  hatderLandrat,
der  die  Verantwortung  trägt,  auch  das  dringende ­
  Interesse  daran,  das  Ganze  dieser  Verantwortung ­
  entsprechend  beeinflussen  zu
können.  Er  ist  es,  der  nachher  sowohl  von  den  Landwirten,  von
denen  er  die  Erzeugnisse  herausholt,  wie  von  den  Verbrauchern,
welche  der  Ansicht  sind,  daß  er  zu  wenig  heraushole,  mit  Vorwürfen ­
  bedacht  wird.
Bevor  wir  uns  der  weiteren  Darstellung  zuwenden,  sei.  kurz
erwähnt,  daß  in  den  preußischen  Landkreisen  rund  27  Millionen
Menschen,  d.  h.  mehr  als  zwei  Drittel  der  Bevölkerung  Preußens,
wohnen.  Diese  Einwohnerschaft  verteilt  sich  freilich  auf  die  einzelnen
  Kreise  außerordentlich  ungleichmäßig.  Der  Kreis  Teltow
hat  eine  Bevölkerung  von  618  383  Seelen,  das  Hohenzollerische
Oberamt  Haigerloch  zählt  10  940  Einwohner.  Der  Flächeninhalt
des  letzteren  beträgt  13  673  Hektar.,während  der  Kreis  Recklinghausen ­
  einen  solchen  von  76  428  Hektar  besitzt.  Die  engbcvölkerten
Kreise  Gelsenkirchen  und  Bochum  mit  137  039  bzw.  120  650  Ein ­
            
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