Full text : Berliner Banken

70  Großstadt-Dokumente  Bd.  8.  Berliner  Banken.
teilweise  über  zwanzig  Jahre  tätig  waren,  verloren  jeden
Pensionsansprrlch.  Das  ohnehin  schon  schwere  Fortkommen ­
  der  Bankbeamten  wird  noch  weiter  durch  eine
Reihe  von  Dingen  erschwert,  die  zum  Tell  auch  durch
die  eigenartige  Entwicklung  des  Vankgewerbes  bedingt
sind.  Der  Großbetrieb  erfordert  eine  ganze  Menge  Arbeiten ­
  derart  automatischer  Natur,  daß  sie  von  ganz
billigen,  gar  nicht  vorgebildeten  Kräften  womöglich  sogar
besser  erledigt  werden  kann,  als  durch  einigernraßen
denkende  Arbeiter.  So  beschäftigen  seit  langer  Zeit  zur
Erledigung  der  Registratur,  der  Louponsabzählung  und
ähnlicher  Dinge  viele  Banken  aktive  Unteroffiziere  aller
Grade,  die  nach  Beendigung  des  Dienstes  in  voller  Unisornl
  ihre  Nebenbeschäftigung  antreten.  Daneben  sind
auch  Pensionäre  mancherlei  Art  tätig.  Solange  als  es
den  Bankbeamten  verhältnismäßig  gut  ging,  fühlten  sie
sich  durch  diese  halbamtlichen  Mitarbeiter  wenig  beunruhigt. ­
  Inzwischen  ist  aber  trotz  der  schlechteren  Gehälter
die  Zahl  der  Beamten  erheblich  gewachsen,  und  die  Entlassungen, ­
  die  während  der  letzten  Krisenzeit  stattfanden,
haben  in  den  Angestellten  den  berechftgten  Wunsch  rege
werden  lassen,  auch  diese  niedersten  Arbeiten  von  gelernten ­
  Bankkommis  verrichtet  zu  sehen.
Eine  weitere  Gefahr  für  das  Fortkommen  der  Bankangestellten ­
  bilden  die  Protektionskinder.  Auch  in  der
guten  alten  Zeit  war  es  gerade  im  Bankgeschäft  besonders ­
  üblich,  daß  die  Söhne  der  Geschästsfteunde  als
Lehrlinge  oder  Volontäre  tätig  waren.  Aber  zu  Mißständen
  konnte  das  schon  deshalb  nicht  führen,  weil  diese
jungen  Leute  in  der  Regel  nach  Absolvierung  der  Lehrzeit ­
  ins  väterliche  Haus  zurückkehrten  oder  ins  Ausland
zur  weiteren  Ausbildung  geschickt  wurden.  Sie  kamen
also  als  dauernde  und  ernstliche  Konkurrenten  für  die
Bankangestellten  kaum  in  Betracht.  Daneben  war  es
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.