Der Bankbeamte.
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aber selbstverständlich, daß die Ehefs lieber Leute in ihr
Bureau nahmen aus chnen bekannten Familien, und in
manchen Bankgeschäften war es sogar ganz unmöglich,
ohne ziemlich große Protektion als Lehrling anzukommen.
War man aber einmal im Betrieb drin, so war von
einer Bevorzugung der Protektionskinder nur in den
natürlichen Grenzen die Rede, die allen menschlichen
Handlungen durch die selbstverständlichen Gefühle von
Sympathie und Antipathie gezogen sind. In dem Maße,
wie die Scharen der zum ewigen Dienen Verdammten
wachsen, steigt natürlich auch der Wert der Protektion
für die Bevorzugten bzw. der Schaden, den sie dem
Zurückgesetzten verursachen. Dazu kommt aber noch,
daß besonders auf den Aktienbanken die natürliche
Gunst der Protektoren erheblich größer ist als im Privat
betriebe. Wenn nur jeder Direktor, jeder Direkttons-
prokurist und vor allem jedes Mitglied des Aufsichtsrats
ein Protektionskind zeugt, so ist die Produktton an
solchen schon erheblich größer als zur Befriedigung des
Bedarfes an leitenden Männern notwendig ist. Wenn
es da einem aus der niedern Schar nicht durch einen
glücklichen Zufall gelingt, das Augenmerk seiner Vor
gesetzten aus sich zu lenken, so wird er über die Sub-
Eernkarriere um so weniger hinausgelangen, als unter,
und über ihm noch eine Schar junger Zuristen,
Battonalökonomen und Techniker den kurulischen Sesseln
Zustreben.
Die zunehmende Eintönigkeit ihrer Beschäftigung
Und die wachsende Aussichtslosigkeit aus Erringung ein
flußreicher Stellungen hat so etwas wie eine typische
Bankbeamten-Psyche geschaffen. Man kann diesen seeli
schen Zustand der Durchschnittsbankbeamten als einen
durch Extravaganzen gemilderten Stumpffinn bezeichnen.
Stumpfsinn etwa in dem Sinne zu verstehen, wie man