6 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle.
letztere geschrieben! während der zu seiner Zeit doch höchstangesehene Marperger in
seinen ebenso breiten, wie stoffarmen Exzerptensammlungen so geistlos verfährt, daß er
z. B. in die Schrift „Erstes Kundert gelehrter Kaufleute" selbst Männer wie Solon,
Thales, Sokrates, Platon, Mohammed aufgenommen hat. Die pädagogisch so bedeut
same Tatsache, daß ein guter Gymnasialunterricht nicht bloß für die sogenannten wissen
schaftlichen Berufe, sondern selbst für die praktische Leitung eines großen landwirt
schaftlichen oder technischen Unternehmens die beste Vorschule bildet, — eine Tatsache,
wozu Liebig im chemischen Laboratorium so schöne Analoga beobachtet hat — findet
sich auch in der kaufmännischen Welt bestätigt; und Büschs eigene große Erfolge, so
wohl als Schriftsteller wie als Lehrer, denen man nie gewagt hat, das Praktische ab
zusprechen, deuten auf etwas Ähnliches hin.
Daß wir gegenwärtig statt commerce 6'economie den so viel passenderen
Ausdruck: Zwischenhandel gebrauchen, hat Büsch zuerst in seinen „Kleinen Schriften
über die Kandlung" (1772) durchgesetzt. Auch der heutige Sinn der Wörter Aktiv-
und Passivhandel für den Kandelsbetrieb eines Volkes auf eigene oder fremde Gefahr,
mit eigenem oder fremdem Kapital rc. rührt von Büsch her, welcher daneben noch Ver
kauf- und Kaufhandel, Gewinn- und Verlusthandel unterscheidet.
Seine Theorie der Kandelskompagnicn ist allem, was in Deutschland bis
dahin über diesen Gegenstand erschienen war, bei weitem überlegen, obschon sie rein
wissenschaftlich gegen die Engländer von Iosiah Child bis Ad. Smith keinen Fortschritt
darstellt. Er billigt solche Kompagnien bloß da, wo es an Einzelvermögen oder auch
an Mut der Einzelkapitalisten im erforderlichen Grade noch fehlte. Colbert habe die
feinigen nur gestiftet, um feinem Könige früher etwas Präsentables vorzeigen zu können.
Llnter vier Kampagnien sind wenigstens drei gescheitert. In der Geschichte der englisch
ostindischen ist Büsch entschieden auf Sir Philip Francis Seite und gegen das Aus-
saugesystem der Clive rc., wobei seine merkantilistischen Nachklänge und sein allgemeiner
Widerwille gegen England zusammenwirken. Alle Monopolien sowie alle Regierungs
geschäfte einer Kandelskompagnie verwirft er unbedingt.
Er gehört auch zu den frühesten Kennern jener Volkswirtschaftskrankheit, die mit
dem Namen Kandelskrise bezeichnet wird. Dieses tun nicht bloß seine Aufsätze über
die Kamburger Krisen von 1763 und 1799 dar, sondern mehr noch seine einsichtsvolle
Warnung vor Äberfüllung des neu eröffneten Marktes in Nordamerika, wobei echt
praktische Bemerkungen über die Natur des Kandels mit jenem Lande im allgemeinen
vorkommen. So hat sich z. B. seine Vermutung vollkommen bewährt, daß die Ver
einigten Staaten es noch lange zu keiner Navigationsaktc im englischen Sinne des
Wortes bringen würden.
Auch seine übrigen Voraussagungen von Nordainerikas Zukunft sind großenteils
merkwürdig eingetroffen. So z. B., daß die Vereinigten Staaten von eigentlichem Er
oberungsgeiste noch lange frei bleiben werden; daß sie aber alle Aussicht haben, vor
Ablauf eines Jahrhunderts ein gewaltiges Industrieland zu werden: eine Aussicht, die
Europa jedoch nicht notwendig zu fürchten brauche, da „jeder Anwachs des Menschen
geschlechtes das Total der wechselseitigen Beschäftigungen vermehrt und neues Aus-
kommen, neue Geschäfte überall in der polizierten Welt entstehen macht, wenn er gleich
die alten in einen nicht leicht genau vorhergesehenen Gang bringt."
Dagegen sind Büschs früher so berühmte Schriften über Münz- und Bank
wesen weit mehr technisch und privatökonomisch als volkswirtschaftlich.