VII. Die Entstehung des modernen Kapitalismus. 4.8
der Handwerker das geringere Kapital, dessen er für seinen
mittlern oder kleinen Betrieb bedarf.
Auch die andern oft genannten Kennzeichen des Kapitalismus
sind mit der Größe des Unternehmens gegeben oder mindestens
nahegelegt, die technischen wie die wirtschaftlichen:
die weitgehende Arbeitsteilung im technischen Sinn (Arbeitszerlegung),
das Zusammenwirken zahlreicher Teilprozesse für
einen großen Organismus, die Trennung der leitenden von
der ausführenden Arbeit. Zwar ist es nicht erforderlich, daß
die Leitung in der Hand einer einzelnen Person liegt. Wenn die,
wenigstens tatsächliche, einheitliche Leitung durch eine Persönlichkeit
die zweckmäßigste Gestalt der großen Unternehmung
sein wird, so kann die Leitung doch auch vielköpfig sein. Auch
sozialistisch kann die große Unternehmung konstruiert sein.
Aber die sozialistische Leitung würde jene Arbeitsteilung, die
den einzelnen Arbeiter zur dauernden Herstellung einer Spezialität
bestimmt, nicht beseitigen. Auch die Sozialisierung einer
Fabrik würde die Zahl der Arbeiter, die zu Leitern von Unternehmungen
im vollen Sinn aufsteigen, nicht vermehren. Soweit
sie in gewerblicher Arbeit selbst arbeiten, würden sie immer
unselbständige Arbeiter bleiben. Nur gewissermaßen eine andere
Seite ihrer Persönlichkeit könnte an der Leitung der Fabrik
Anteil erhalten. Nur wenn die beiden Seiten der Persönlichlichkeit
der Arbeiter auseinandergehalten würden, könnte der
Versuch einer sozialistischen Fabrik glücken.
Die Trennung der Erwerbswirtschaft von der Konsumtionswirtschaft
ihrer Inhaber ist gleichfalls Folge der großen Betriebe.
In der alten Bauernwirtschaft sind beide vereinigt; im mittelalterlichen
Handwerk decken sie sich trotz der vorhandenen gegenseitigen
Beziehungen nicht mehr. Bei der großen Faßhrik treten
sie ganz auseinander. Die Trennung vollzieht sich durchaus
nach dem Maß der Größe des Betriebs, wie wir schon an den
Größenklassen der landwirtschaftlichen Betriebe anschaulich
wahrnehmen. Allerdings dürfte die Landwirtschaft an sich die
Neigung besitzen, der Trennung möglichst lange zu widerstehen.
wie denn auch in den großen landwirtschaftlichen Betrieben
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